‘Passagem’ 2006 Douro tinto

| 28. November 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

“Haben Sie Ihr Ticket für die Überfahrt gelöst?” So könnte die Frage lauten, denn für beides steht der Name unseres Weines, nämlich Passagem, der heute hier geöffnet wird. Passagem steht, frei übersetzt, am ehesten für ‘Überfahrt’ und bringt die Kulturen Englands und Portugals in Verbindung. Aus der autochthonen portugiesischen Rebsorte Touriga Nacional haben Sophia Bergqvist von der Quinta de la Rosa und ihr ‘Weinmacher’ Jorge Moreira den Passagem ‘kreiert’. 18 Monate reifte der Passagem 2006 Douro tinto im Barriquefass bevor er in die Flasche wanderte, um dort noch einmal 6 Monate hinter sich zu bringen. Erst dann wurde er für den Handel ‘freigegeben’. Wir haben heute besagten Passagem in unseren Gläsern und freuen uns schon wieder auf einen spannenden Wein des ‘Meisters’ Jorge Moreira.

Elegant steht die Bordeauxflasche auf unserem Tisch der Wahrheit. Beklebt mit einem Etikett, welches sowohl stilistisch überzeugt wie auch auf den geschichtlichen Hintergrund des Namens hinweist. Rechts Portugal, links England in rot auf den stilisierten Landkarten der Iberischen Halbinsel und der von Grossbritannien eingefärbt, zeigt es die ‘Reiseroute’ wofür Passagem steht. In diesem Fall in schwarzer, hochgeprägter und partiell lackierter Typo. Oben die Herkunft, unten der Jahrgang. Ein eigener kleiner Streifen über dem Etikett weist auf die Kooperation der Quinta de la Rosa und Jorge Moreira hin.

Das Etikett, das sich so gut wie über die ganze Flasche zieht, gibt am hinteren Teil sowohl in portugiesisch wie in englisch Auskunft über den Wein, seine Herkunft sowie das Joint Venture zwischen Sophia Bergqvist und Jorge Moreira. Und weil der Passagem ein ‘rauer Bursche’ ist, darf er sich für neunzig Minuten im Dekanter austoben bevor wir ihn seiner finalen Bestimmung zuführen.

Mächtig Kraft im Saft

In einem kräftigen und dunklen Karminrot steht der Passagem im Glas, zu den Rändern hin hellt es etwas auf und es schimmert mit leichten violetten Reflexen. Aus dem Glas duftet es rauchig, fast speckig und ungemein saftig heraus. Mit Holz gewürzte, dicke und ebenso dunkle Beeren riecht man, es fühlt sich kraftvoll in der Nase an und man kann die Power welche dieser Tropfen hat sehr gut riechen. Da sind Muskeln im Glas, da steht was Dichtes drin und man ist geneigt seine Nase ganz tief hinein zu stecken. Kein Duft der bekannt scheint, dafür aber mit seiner würzigen und vor allem saftigen Ader schon grosse Freude auf den ersten Schluck macht.

Fruchtbetonte ‘Kaschmir-Optik’

Aber hallo! Da kommt was richtig Grosses in den Mund. Saftig drückt der Passagem auf die Zunge und im selben Augenblick spürt man muskulöse Tannine nachziehen. Einerseits glaubt man von der mächtig-saftigen Frucht überrollt zu werden und gleichzeitig leckt man sich die Lippen und über den Gaumen, weil die sehr präsenten und kräftigen Gerbstoffe einem ein leicht debiles Grinsen ins Gesicht zaubern. Der Passagem ist ungewöhnlich, das steht schon einmal fest und man muss sich erst einstellen auf das was man im Mund spürt. Es fühlt sich rauchig an, herb im Gefühl aber saftig auf der Zunge und trotzdem trocken am Gaumen. Dabei macht er Dampf im Mund, bleibt aber äusserst schlank im Mundgefühl. Frucht, Rauch, Saft und Kraft und Gerbstoffe in feinster ‘Kaschmir-Optik’ stehen in einem wunderbar ausgewogenen Verhältnis zueinander und machen den Passagem zu einem grossen Portugiesen.

And the Oscar goes to…

Obwohl der Passagem mit einer Ladung von 14% daherkommt spürt man diese nicht. Er wirkt weder schwer, noch heiss, noch füllig oder opulent. Alles ist leichtgewirkt wie feiner Zwirn, die dominierende Frucht weiss gekonnt dem Rauch genug Platz zu lassen und die kräftigen Tannine verstehen es sogar den Wein weich wirken zu lassen. All das ist eingepackt in einer dunklen Würze die den Passagem so kräftig erscheinen lässt. Trotzdem fliesst der Tropfen völlig locker und entspannt über die Zunge, wie von alleine zieht er durch und lässt einen mit einem angenehm warmen und saftig-rauchigen Gefühl am Gaumen zurück. Die Zunge ist damit beschäftigt den letzten Tropfen Frucht zu erhaschen bevor sich der Passagem in herber Trockenheit auflöst und man merkt wie man sich permanent die Lippen leckt um dieses beeindruckende Gefühl so lang wie möglich ‘am Leben’ zu erhalten.

Für mich persönlich ist der Passagem ein Wein der mächtig Spass macht, der anders ist und das auch zeigt und der (nachdem es nicht der erste von Jorge Moreira für mich ist) ohne jeden Zweifel in der Riege meiner Favoriten und somit auf meiner ‘Einkaufsliste’ landet. Da ist grosser Stoff in der Flasche der sich noch gewaltig entwickeln und von Jahr zu Jahr besser werden wird. Der Passagem ist schlichtweg reif für einen ‘Oscar’. Ich bin dabei und die 14,50 Euro ist der ‘Portugiese’ mehr als wert. Aber seien sie auf der Hut, denn auch wenn die bereits erwähnten 14% leicht und lustig wirken; der Wein haut rein. Aber edel und mit Stil. Ich werde nun versuchen mein ‘Ticket für die Überfahrt’ zu lösen und wenn ich keines mehr bekomme, dann verklage ich die Engländer.

Tipp: Geben Sie dem Passagem 90 Minuten im Dekanter und servieren sie ihn sogar leicht kühl bei 16-17º. Mir fällt Steak als Begleitung dazu ein, sowie überhaupt alles was kräftig angebraten ist. Solo ist der Tropfen einfach eine Wucht und perfekt für graue November- und frostige Dezemberabende. Dann darf er auch mal 18 ‘Grade’ haben.

Wein & und Winzer-Info:


Wein: Douro tinto ‘Passagem’ 2006
Winzer: Quinta de la Rosa & Jorge Moreira
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: -2015+
Anbau: Naturnah
Ausbau: Barrique
Besonderes: Unfiltriert
Dekantieren: Ja

Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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