Rosé ‘Charvin’ 2010 Côtes du Rhône

| 26. September 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Der dritte und letze Wein dieser Runde zum Thema “Die Farbe ROSÉ – Weinvergnügen zwischen Weiss und Rot” ist ein Côtes du Rhône von Laurent Charvis der fast ausschliesslich aus der Rebsorte Grenache gekeltert wird. Laurent Charvin gehört zu jenen Winzern, die sich nicht dem Mainstream angepasst haben und dem Ruf des Massenmarktes folgen. Laurent Charvins Weine sind nichts für Menschen die Einheitsgeschmack wollen, vielmehr produziert er Weine die eigenständigen Charakter haben und die Persönlichkeiten in der Flasche darstellen.

Leider ist mit diesem Wein das Thema ‘ROSÉ’ auch gleichzeitig beendet. Was insofern schade ist als damit auch der letzte Rest von Sommer dahin zu sein scheint. Der Rosé von Laurent Charvin läutet somit offiziell das Ende des Rosévergnügens ein. Zumindest hier. Was aber nicht heissen soll, dass man ab jetzt wieder in den üblichen ‘Rosé-Winterschlaf’ verfallen soll. Ganz im Gegenteil. Öfter mal ein knackiger Rosé am Abend erweitert jedes Weinfreunds Horizont gewaltig.

Und somit geht es endgültig der Flasche an den ‘Hals’. Die Burgunderflasche ziert ein typisch französisches Etikett. Ja, es gibt das typisch französische Etikett. Und das hier gehört dazu. Es ist einfach schwer zu beschreiben was es grundsätzlich ausmacht, aber würde es auch ‘Blindbestimmungen’ für Etiketten geben, dann würden französische wahrscheinlich den höchsten Wiedererkennungswert haben. Was drauf geht ist drauf, haufenweise verschiedene Schriftarten, ein Bild, ein paar Symbole und eine Hauptschrift, die den Musketieren alle Ehre macht. Grafisch eine Katastrophe und deshalb schon wieder klassisch. Irgendwie mag ich das sogar.

Ein wunderschönes, fast schon kitschiges zartrosa funkelt im Glas und gewährt tiefe und klare Einblicke. Fast hat es den Anschein als wäre beim Befüllen der Flasche die Farbe ausgegangen. Aus dem Glas schwebt einem ein sehr ‘leiser’ Duft entgegen. Nachdem dies nun bereits mein dritter ‘langsamer’ Wein ist und sich alle drei eindeutig mit einer sehr zurückhaltenden Nase präsentiert haben, steht für mich fest wie ‘langsam’ riecht. Ich bin überzeugt bei allen noch kommenden ‘langsamen’ Weinen das selbe zu erleben bzw. zu riechen. Das was hier aus dem Glas strömt ist eine dezente kräutrige Würze, keine Frucht. Genau so riecht Südfrankreich.

Kraft und Würze am Gaumen

Der erste Schluck ist wie ein wohldosiertes Feuerwerk. Wer erwartet hat mit Frucht verwöhnt zu werden wird enttäuscht. Hier gibt es keine. Oder so gut wie keine. Hier dominiert eine Würze die soviel Südfrankreich verströmt wie man sich nur vorstellen kann. Der Wein hat Kraft und Körper. Ein richtiger Brummer im Glas ohne deswegen aufdringlich zu wirken. Das was sich hier im Mund breit macht ist schlicht und einfach ein Erlebnis.

Eine ganz milde und sanfte Säure macht sich bemerkbar, lässt dabei jedoch den feinen Gerbstoffen den Vortritt. Gut balanciert unterstützen die beiden das würzige Aroma dieses Rosés der mit seinen 14% sicherlich nicht zu den Leichtgewichten gehört. Dieser Côtes du Rhône ist ein Charakterdarsteller, hat Persönlichkeit und pfeift auf Kollegen, die bestenfalls ‘fruchtige Mundwässerchen’ sind. Die typisch südfranzösische Paarung von Kräutern und Gewürzen steht hier perfekt nebeneinander im Glas und lässt Früchten aller Art keinen Platz auf der Bühne.

Terroir und Klima als Hauptdarsteller

Ich würde sogar soweit gehen, diesem Tropfen einen Hauch von ‘Schärfe’ zu unterstellen. Ganz leicht, aber doch präsent. Nobel. Man kann diese würzigen Weine schwer mit anderen vergleichen. Man muss sie einfach wollen. Hier gibt es keinen Kompromiss. Entweder man mag das oder man ist am falschen Dampfer. Terroir und Klima muss man lieben. Ansonst ist man bei den Fruchtwässern besser aufgehoben.

Ich persönlich mag frische, fruchtige, Duft verströmende und leichtfüssige Weine durchaus und immer wieder gerne. Aber wenn es drauf ankommt, dann greife ich wie ‘ferngesteuert’ fast immer auf Weine aus Südfrankreich. Das liegt vielleicht daran, dass man in diesen Weinen noch am ehesten von Terroir verzaubert wird. Ich bin mir sogar sicher, dass es das ist. Ich mag den Boden, das Erdige. 14% machen den Rosé nicht gerade zu einem luftig leichten Begleiter. Jedoch stehen sie diesem Wein bestens und weniger wäre dafür einfach zu wenig. Mit € 12,- kein Billigtropfen, dafür aber jeden Euro einzeln wert.

Tipp: 10-12ºC sind empfehlenswert. Zu würzigem Gemüse und Braten ein Hochgenuss.

Wein & und Winzer-Info:


Wein: Rosé ‘Charvin’ Côtes du Rhône
Winzer: Laurent Charvin – Domaine Charvin
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2013+
Anbau: Naturnah
Ausbau: Betontank
Besonderes: Saignée-Rosé
Dekantieren: Nein

Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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