K&U Hausmesse 2012 – So wird 2013

| 18. November 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Wie schon im Vorjahr war auch dieses Jahr der Besuch der K&U Hausmesse ein erfreulicher Pflichtbesuch für mich. Wie schon letztes Jahr und auch die Jahre zuvor fand die Messe wieder im legendären Nürnberger Ofenwerk statt. Eine Location die passender nicht sein könnte für die Weine, welche von den teilnehmenden Winzern dort zum grössten Teil persönlich präsentiert werden und zu der Winzergrössen wie Jim Clendenen sogar aus Kalifornien extra für zwei Tage einfliegen um ihre Weine vorzustellen.

Die K&U Hausmesse ist ein Event der nicht sich selbst und auch nicht den ‘Hausherrn’ zelebriert, sondern die wahren Protagonisten, die Winzer und deren Weine in den Vordergrund stellt. Besser als es dieses Bild zeigt, kann man das nicht machen. K&U versteht es mit einfachen aber umso präsenteren stilistischen Mitteln jene Produkte ins rechte Licht zu rücken, derentwegen die Besucher kommen. Um am Ende unter mannshohen Fahnen auf denen man die Weine die man von der Shopseite oder bereits aus eigener Erfahrung kennt auch dann zu finden, wenn man unter den zahlreichen Besuchern sich nur mehr ‘nach oben’ orientieren kann. Denn genau dort hängen sie, die imposanten Fahnen und weisen sicher den Weg zu den Lieblingsweinen, um dort deren Winzer auch persönlich kennenzulernen. Einfacher und effizienter kann ein ‘Parcour’ nicht gestaltet sein.

Es regiert der Individualismus

Wer Martin Kössler und die K&U Weinhalle kennt und bereits ein paar Weine aus dem Sortiment erleben durfte weiss, dass es auf dieser ‘Messe’ keine dem Massenmarkt entsprechenden Weine gibt, die um jeden Preis gefallen wollen oder sich einem gesellschaftsfähigen Ideal anzupassen bereit sind. Was hier vorgestellt wird und verkostet werden darf geht einen Schritt weiter, liegt oft abseits des Mainstreams und fordert eine persönliche Öffnung und manchmal sogar einen kompletten ‘Reset’ seines bisherigen Weinverständnisses. Dass dabei ganz nebenbei der eigene Weinhorizont entsprechend erweitert wird ist eine automatische Begleiterscheinung. Hier werden Weine vorgestellt die so anders und so unverwechselbar sind, dass sogar dem absoluten Laien eines möglich ist; nämlich jene Weine die er bereits getrunken hat zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder zu erkennen. Diese Weine sind Persönlichkeiten, werden nicht millionenfach produziert und sind auch nicht immer und überall zu jeder Zeit erhältlich.

Best of Österreich

Fred Loimer via loimer.at

Wie schon im Vorjahr war es ein grosses Fest und vor allem auch die Chance wieder aussergewöhnliche Winzer und deren Weine kennenzulernen. Begonnen habe ich meine ‘Weinreise’ ganz patriotisch bei den ‘Österreichern’, allen voran bei Fred Loimer aus Langenlois im Kamptal, dem Meister der Grünen Veltliner und Rieslinge, für welche er bis nach New York bekannt ist. Aus seinem sehr breit gefächerten Sortiment werden wir 2013 einige Weine verkosten und sie unseren Lesern in gewohnter Weise vorstellen. Was wir vorab bei Fred Loimer verkostet haben hat mehr als überzeugt und es wird umso interessanter diese tollen Weine bald in unseren Gläsern erleben zu dürfen.

Hans & Andreas Tschida. Bild via angerhof-tschida.at

Für die Freunde süsser Versuchungen haben wir uns von Andreas Tschida vom Angerhof Tschida aus Illmitz im Herzen des burgenländischen Seewinkels, seine Edeltropfen eingiessen lassen und waren restlos überzeugt von dem was da geboten wurde. Von der ‘einfachen’ Auslese über Trockenbeerenauslese und Eiswein bis hin zum berühmten Schilfwein wurde nichts ausgelassen, um ja nichts von diesen süssen Sünden zu verpassen. 2013 werden wir einige seiner Weine mit grösstem Genuss verkosten und natürlich über diese Erlebnisse berichten.

Ein weiteres Highlight meiner ‘Österreichreise’ waren die Gespräche mit Hans Nittnaus aus Gols im Burgenland. Er zählt nicht nur zu den echten Visionären des österreichischens Weinbaus, er besticht auch mit einer aussergewöhnlichen Weinstilistik die sich nicht an ‘Üblichem’ orientiert, sondern vielmehr eine perfekte Symbiose von Ausdrucksstärke und erfrischender Finesse anstelle von Wucht und Alkohol ist. Frische, Eleganz und Mineralität domninieren seine Weine und jeder einzelne den wir verkostet haben hat mächtig Spass im Mund gemacht. Wein ‘geht auch anders’ und mit seiner Art Weine zu kreieren gehört er ohne jeden Zweifel zu den echten Individualisten im österreichischen ‘Weinzirkus’.

Hans Nittnaus via nittnaus.at

Ich freue mich schon einige seiner aussergewöhnlich spannenden und überzeugenden Weine 2013 verkosten zu dürfen. Berichtet wird natürlich in ‘altbewährter’ Art und Weise.

Feines aus Italien

Selbstverständlich war es auch angenehme ‘Pflicht’ sich durch die restlichen Länder dieser Welt zu ‘kosten’ und natürlich hat es wieder besonders grossen Spass gemacht die unterschiedlichen Stilistiken der zahlreichen Weingüter kennenzulernen. Gerade Italien hat wieder ganz gross aufgezeigt und war mit Weinen präsent, die man durchaus als ‘Ausreisser’ aus dem relativ uniformen italienischen Weinmarkt bezeichnen kann. Diese Weingüter riskieren Eigenständigkeit, wagen das Risiko und haben sich darauf spezialisiert oft nur zwei, drei oder vier Weine anstatt eines unübersichtlichen Sortiments zu produzieren, das versucht Allem und Jedem gerecht zu werden. Ein solch kleines, aber umso feineres Weingut ist Grifalco della Lucania von Fabrizio Piccin und seiner Frau Cecilia Naldoni in der weit im Süden gelegenen Basilikata.

Cecilia Naldoni Piccin – Grifalco

Beide waren bereits Winzer in der Toskana, betrieben dort ihr Weingut Salcheto in Montepulciano und hatten irgendwann genug vom Einheitsbrei und den uniformen Weinen, die dank des brüllenden Massenmarketings immer mehr zu ebensolcher Massenware verkamen. Also ‘zogen’ sie ab, fanden in der Basilikata, die bei uns nicht wirklich jemand kennt, ihre neue Heimat und spezialisierten sich dort auf die Rebsorte Aglianico, die hier ebenfalls so gut wie nicht bekannt ist. Heute produzieren die beiden dort gerademal vier Weine und genau dieses ‘kleine aber feine Sortiment’ stellt uns Cecilia Naldoni Piccin zur Verfügung. Wir werden es 2013 vollständig verkosten und ausführlich darüber berichten.

Ein ganz besonderes Weingut aus dem Piemont war ein weiteres Ziel der grenzenlosen Neugier. Von diesem hatten wir bereits im März 2012 einen Wein, den Bricco Francia 2009 in unseren Gläsern welcher uns restlos glücklich gemacht hat. Und das war NUR der ‘Einstiegswein’. Deshalb war es klar, dass Dr. Paolo Alliata von der Villa Terlina aus Agliano Terme ein Besuch abgestattet werden musste um auch den ‘Rest’ seines beeindruckenden Sortimentes kennenzulernen.

Dr. Paolo Alliata – Villa Terlina

Dr. Paolo Alliata ist ein ‘Reisender’ in Sachen Wein und hat sich 1997, nachdem er mit seiner deutschen Frau das abgewirtschaftete Weingut Villa Terlina entdeckt hatte, im Piemont niedergelassen und produziert dort aussgewöhnliche Barbera-Weine. Dort liest er von Hand, vergärt spontan, behandelt seine Weine schonend im Keller und lässt sie sehr lange im Faß auf den eigenen Hefen reifen. Das Ergebnis sind elegante Weine, die mit Kraft und Ausdruck, aber auch mit einer beeindruckenden Finesse sowie mit expressiver Frische überraschen. Wir haben uns mit Dr. Paolo Alliata lange unterhalten und werden 2013 einige seiner besten Weine verkosten und darüber berichten.

Portugal & Spanien

Keinesfalls fehlen durfte natürlich ein Besuch der Winzer aus Portugal und Spanien. Spanien schon deshalb, weil gerade von dort in letzter Zeit immer mehr aussergewöhnliche Weine kommen. Weine die Typizität wagen, authentisch sind und sich als grosse Perönlichkeiten hervorgetan haben. Zu diesen Weinen zählen unter anderem jene der Bodegas Hnos. Pérez Pascuas aus Pedrosa de Duero. Vor einiger Zeit hatten wir bereits den Viña Pedrosa ‘Crianza’ 2008 in der Verkostung und waren hellauf davon begeistert. Nach meinem Gespräch mit Juan de la Vega Meiland von der Bodegas Hnos. Pérez Pascuas hat mir dieser eine Kiste seiner besten Weine, den Reservas, in die Hand gedrückt und freut sich schon darauf wieder über die Weine von Viña Pedrosa zu lesen. Wir freuen uns natürlich schon darauf die Weine dann im Glas zu haben.

Jorge Moreira – Poeira

Eine ganz besondere Freude war es dann die Weine des mittlerweile zur absoluten Weinelite Portugals zählenden Jorge Moreira zu verkosten. In Kürze erscheint bereits ein erster Bericht über einen ganz speziellen Wein, an dessen Herstellung Jorge ‘beteiligt’ war und deshalb war die Neugier gross, auch seine anderen Weine kennenzulernen. Jorge Moreira geniesst mit seinen Weinen in der Zwischenzeit weit über die Grenzen Portugals hinaus einen exzellenten Ruf. Auch er produziert kein unübersichtliches Sortiment, er beschränkt sich auf drei Weine, einen Weiss- und zwei Rotweine und liefert damit jedesmal aufs Neue Qualitäten ab, die sich nicht modischen Ansprüchen anbiedern, sondern Eigenständigkeit und Individualität versprühen und international begeistert angenommen werden. Dass seine sympathische Frau Olga Martins ganz nebenbei nicht minder beeindruckende Weine produziert ist mehr als nur eine Randbemerkung wert und selbstverständlich haben wir auch ihre beiden Weine verkostet. Als Ergebnis dürfen wir verkünden, dass wir Jorges und Olgas Weine 2013 in unseren Gläsern haben und intensivst erforschen dürfen.

Meisterwerke aus Frankreich

Pierre Jacquet (li) und Olivier Binet (re) via binet-jacquet.com

Da natürlich Weine aus Frankreich auf gar keinen Fall fehlen dürfen haben wir uns selbstverständlich auch dort durch einiges ‘durchgekostet’ und ein paar echte Meisterwerke gefunden. Nach einem sehr interessanten und informativen Gespräch mit Olivier Binet von der Domaine Binet & Jacquet aus Faugères im westlichen Languedoc, werden wir 2013 jene drei Weine verkosten, die diese spannende Domaine erzeugt. Was Olivier Binet uns eingegossen hat war mehr als meisterlich. Interessant war dazu eine Aussage die Martin Kössler machte als er meinte, dass er bis heute keinem begegnet ist der mehr Wissen und Erfahrung über Terroir besitzt als eben Olivier Binet. Was insoferne wieder glaubhaft ist, weil die Weine der Domaine Binet & Jacquet derart terroirgeprägt sind, dass es fast schon weh tut. Wir freuen uns die Weine aus Faugères im nächsten Jahr im Glas zu haben.

Und weil bei so vielen Weinen natürlich auch eine entsprechende ‘Unterlage’ da sein sollte, gab es auch heuer wieder Köstlichstes aus aller Herren Käseländer von Feinkost Langer, inklusive allerfeinster Brotbegleitung vom Nürnberger Freibäcker Arnd Erbel. Ich freue ich mich jetzt schon auf die vielen tollen Weine die ich 2013 verkosten darf und natürlich ebenso schon wieder auf den nächsten ‘Kultevent’ von K&U im Ofenwerk.

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorie: Blog, K&U Weinhalle (D)

Ihr Kommentar