Bien Nacido 2016

| 2. Juli 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Ojai Chardonnay 2016 Zusammen mit Jim Clendenen hat Adam Tolmach “Au Bon Climat” gegründet und war zehn Jahre sein Partner. Nach der Trennung baute Adam dann sein eigenes Weingut auf; The Ojai Vineyard. Im Städtchen Ojai zwischen Santa Barbara und Los Angeles gelegen und nach einem lokalen Indianerstamm benannt. Adam und Helen Tolmach besitzen selbst keine eigenen Weinberge, die Trauben kaufen sie von Vertragswinzern zu, die ausschliesslich ökologisch bzw. biodynamisch arbeiten. So auch jene für den Chardonnay der heute hier am Tisch der Wahrheit steht; den Bien Nacido 2016. Die Rebstöcke dieses Chardonnays stehen auf lehmigem, mit Schiefer durchzogenem Boden. Adam und Helen Tolmach sind mit Ojai Vineyard so etwas wie “Vorreiter” der kalifornischen Weinszene, und wie sich das in diesem Fall anfühlt bzw. schmeckt, dem gehe ich jetzt motiviert und neugierig auf den sogenannten Grund. Nach einer halben Stunde in der Karaffe darf der Tropfen dann in den polierten Kelch.

Vanille, Honig und Zitrone

Dichtes gelbgold funkelt einem aus dem Glas entgegen. Wie flüssiger Honig fliesst der Bien Nacido an dessen Innenseite ab. Reifer Pfirsich zeigt sich, grüner Apfel ebenso und über allem eine Spur Vanille. Honignoten ziehen sich im Riechorgan hoch, es fühlt sich dicht und doch so fein an in der Nase. Allerfeinstes Holz macht sich bemerkbar, herrlichst eingesetzt, darunter frische Zitrusnoten die für Stimmung sorgen. Der Duft betörend, sexy, sinnlich und verführerisch. Extrem hoher Schnüffelfaktor.

Genial & grandios subtil

Oh my gosh! Alles, nur nicht das was mann erwartet hat zeigt sich im Mund, sowie der Tropfen auf der Zunge aufschlägt. Da zieht ein Wein durch der von frischen Zitrustönen dominiert wird, der grünen Apfel im Gepäck hat und Melonen hinterher schleift. Alles eingehüllt in einem grandios subtilen Holzkleid. Wie genial kann Holz nur sein? Vanille light sozusagen, ganz light um korrekt zu sein. Weich und wohlig auf der Zunge, und doch glasklar und blank poliert. Ein Juwel am Gaumen, zart fruchtig, anschmiegsam und salzig-mineralisch. Wer etwas rumkaut am Bien Nacido merkt, wie er immer charmanter wird im Mund, und, mit etwas Zeit, auch immer vielschichtiger. Was für ein genialer Chardonnay. Ich will ganz viel mehr davon.

Dreht am Rad wie ein dressierter Waschbär

Nach einer Weile wird es dann richtig lustig in der Futterluke. Da hat der gute Tropfen doch tatsächlich Grip entwickelt und zieht derart griffig über Zunge, Gaumen und auch Lippen, dass man gar nicht hinterherkommt mit dem Spüren. Wie toll ist das denn bitte! Die Zitronentöne haben sich nach hinten verkrochen, vorne spielt der grüne Apfel jetzt die erste Geige. Wo ist er neckischer, der Bien Nacido? Auf der Zungenspitze oder hinter den Lippen. Ist das Salz? Kann auch Limette sein. Ist jedenfalls phänomenal. Diese Frische, diese freche Säure, dieser wunderbare Grip. Das Zeug ist einfach megamässig. Der Abgang leicht melonig, zart vanillig und heftig mineralisch. Der Tropfen weiss wie Zirkus geht und dreht am Rad wie ein dressierter Waschbär. Herrlich, traumhaft, wunderbar. Mehr davon. Jetzt gleich!

Drei Stunden hat der Tropfen nun schon hinter sich in der Karaffe, und er legt zu und zu und zu. Wird immer griffiger, haftet jetzt am Gaumen, greift die Lippen an und schickt sich an für immer dort zu bleiben. Während auf der Zunge nur mehr reife Frucht, ein Tick von Honig und dieses genial in Szene gesetzte Holz spür- und schmeckbar ist. Blütentöne tauchen plötzlich auf, weisser Staub und harter Stein. Für den Bien Nacido scheint ein Ende nicht absehbar, ständig entwickelt er sich weiter und verleitet einen ständig nachzukosten. Wer Chardonnay liebt und bis jetzt mit Kalifornien nichts am Hut hatte, der sollte schleunigst seine Meinung ändern und den Stoff probieren. Es könnte nämlich sein, dass man den einen oder anderen Franzosen ins Eck stellt, um sich an diesem aussergewöhnlichen Tropfen zu erfreuen. Persönlicher Lieblingswein.

Tipp: Aufmachen, in die Karaffe damit, kosten, und dann über den ganzen Tag verteilt geniessen. Mit 12º. Am zweiten Tag schlicht grandios. Zu Jakobsmuscheln, Sushi oder Fisch-Tacos. Als Solist ein unvergessliches Erlebnis. Grandioser Wein!

Wein & und Winzer-Info:

Ojai Bien Naciido
Wein: Bien Nacido
Winzer: Ojai Vineyard
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: 2018+
Anbau: Manuvin®
Ausbau: Barrique (gebraucht)
Besonderes: Unfiltriert
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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