Kalk & Schiefer 2015

| 8. November 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Kalk & Schiefer Welschriesling Aus Jois im Burgenland kommt der Wein, der heute bei mir am Tisch der Wahrheit steht. Und zwar vom Weingut Pasler, das im Einklang mit der Natur auf biologisch wirtschaftenden Getreideanbau und zertifiziert nachhaltigen Weinbau setzt. Weinbau wird nun mittlerweile in fünfter Generation betrieben, 1988 hat Franz Pasler den Betrieb in Jois von seinem Vater übernommen. Die Weingärten und Getreidefelder befinden sich in der Region Naturpark Neusiedlersee-Leithagebirge, der Wein des Tages heisst schlicht und einfach Kalk & Schiefer, weil die Rebstöcke eben auf Kalk- und Schieferböden wachsen und somit für Spannung und Mineralität garantieren. Ausgebaut wurde der Kalk & Schiefer 2015, übrigens ein reinsortiger Welschriesling, im kleinen Eichenfass, wo er zehn Monate auf der Feinhefe dahin dümpeln durfte. Abgefüllt wurde der spontanvergorene Tropfen dann auch unfiltriert und ungeschönt und bevor er in das grosse Burgunderglas darf, wandert er für eine Stunde in die grosse Karaffe, worin er auch den Rest des Tages verbringen darf.

Sanft und weich und mild

Saftiges strohgelb leuchtet aus dem grossen Kelch und dafür, dass der Kalk & Schiefer ungeschönt und unfiltriert ist, ist er ausgesprochen klar. In die Nasenflügel strömen weiche und leise Aromen von Apfelscheiben und getrockneten Wiesenblumen. Feine Kräutertöne und eine dezente Hefenote unterfüttern diesen Duft und verleihen ihm eine gewisse Sanftheit. Ganz hinten ein Tick von Würze die dem Holz geschuldet ist. Fühlt sich richtig gut im Riechorgan an.

Abenteurer aufgepasst!

WOW. Das ist Welschriesling? Unglaublich! Weich, fast schon cremig, zieht der Kalk & Schiefer eine würzige Spur über die Zunge. Apfelschalen schmeckt man, zarte Kräuternoten und eine Mineralität, die es in sich hat. Einerseits fühlt sich der Tropfen ungemein sanft im Mund an, auf der anderen Seite stellt sich dem eine Säureader entgegen, die man durchaus als rassig bezeichnen darf. Am Gaumen richtig druckvoll, dabei wieder cremig und mit einer Würze angereichert, die enorm ist. Ein richtiges Erlebnis, das sich da im Mund abspielt.

Das ist echtes Kino

Holz und Hefe in einer Harmonie vereint, wie man sie selten findet. Das schmeckt man und das spürt man. Die Würze dominant, die Cremigkeit barock und das gesamte Mundgefühl einfach ein Traum. Schmelzig sorgt der Kalk & Schiefer für regelrechtes Staunen, er füllt den Mund ohne breit zu werden, zeigt einen Schuss von Wermut und sorgt so für eine zarte Wärme. Baut mit Luft am Gaumen einen feinen Grip auf, entschlackt sich sozusagen selbst und bringt immer mehr die Aromatik seines Bodens in den Vordergrund. Kalk und Schiefer werden immer mehr scheckbar, an Mineralität legt er gewaltig zu. Der Tropfen wird immer besser, immer köstlicher und eindrucksvoller.

Einfach hammermässig was da abgeht. Seit vier Stunden ist der Kalk & Schiefer offen und er dreht und wendet sich und zeigt immer neue Gesichter. Jetzt zeigt der Apfel auf, die Würze steht daneben und haucht dem Ganzen erdigen Charakter ein. Am Zungenrand ein feiner Salzstich, richtig sexy und vor allem köstlich. Seiner Fülle hat er sich entledigt, den Speck den hat er abgebaut und zeigt sich jetzt als Model, das den Achtzigern entsprungen ist. Man setze einfach die gewünschten Namen ein. Definitiv kein Welschriesling von der Stange und keiner, den man erwarten würde. Das ist echtes Kino, echtes Abenteuer und, last but not least, der totale Genuss. Ich bin beeindruckt und trinke dieses Teil am Abend weiter. Auch weil ich sicher bin, dann wieder einen andren Wein im Glas zu haben. Grossartig!

Tipp: Eine Stunde in die Karaffe damit, ein grosses Glas nehmen und mit 12º trinken. Wächst an der Luft stetig weiter. Zu Fisch an Saucen, zu Gemüsegerichten und zu Paniertem. Als Solist der perfekte Begleiter wenn man meditieren, oxidieren oder einfach relaxieren möchte.

Wein & und Winzer-Info:

kalkschiefer_welschriesling_weiss
Wein: Kalk & Schiefer 2015
Winzer: Weingut Pasler
Rebsorte(n): Welschriesling
Anbaugebiet: Neusiedlersee
Anbau: Biologisch
Ausbau: Barrique
Empfehlung: Braucht Luft, Zeit und ein großes Glas – nicht zu kalt servieren (10-12°C)
Verschluss: Naturkorken

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter (D), Verkostet

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