‘La Courtade’ Côtes de Provençe blanc

| 28. Oktober 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Der zweite Wein der Themenrunde ‘Weine off the beaten track‘ ist ein sortenreiner Rolle (Vermentino) aus der französischen Provençe, deren Weine oft nur auf die bekannten von der Rhone, Luberon, Gigondas oder Chateauneuf du Pape reduziert werden. Ein ‘La Courtade‘ Côtes de Provençe blanc 2006 von Richard Auther und seiner ‘Domaine de la Courtade‘, welche im Naturschutzgebiet der Insel Porquerolles bei Hyères vor der Côte d’Azur liegt. Anzuführen ist dazu, dass es sich bei Richard Authers Weingut um eine Bio-Domaine handelt die auch entsprechend zertifiziert ist. Unter anderem gehören seine Weine zu den aussergewöhnlichsten und eigenwilligsten der Côte d’Azur.

Auf der sehr eleganten Flasche lässt ein nicht minder stilvolles Etikett auf einen ebenso tollen Wein hoffen. Eine stilisierte Amphore deutet antiken Hintergrund an, die Typographie ist sehr stilvoll und elegant gewählt.

Nach einer Stunde in der Karaffe kommt ‘La Courtade’ ins Glas. Ein strahlendes Gelb zeigt sich von seiner intensivsten Seite und klebt sich an der Wand an. Es funkelt und glänzt förmlich im Glas und lässt die Vorfreude auf den ersten Schluck steigen. Leicht grünliche Reflexe blitzen frech auf.

Der Duft des Meeres

Wenn man die Nase ins Glas steckt kommt einem der Geruch des Meeres entgegen. So riecht es am Strand; nach Mineralien, nach Salz, nach Côte d’Azur. Das Bukett entführt mich sofort an die französische Küste und weckt Erinnerungen. Einerseits riecht es fruchtig-aromatisch und kühl, fast frisch, andererseits vernimmt man eine gewisse Würze in der Nase die irgendwie üppig und trotzdem filigran wirkt. Ein wahres Geruchserlebnis das seinesgleichen suchen muss. Einzigartig, bin ich mir ziemlich sicher.

Knochentrocken und eigenwillig

Im Mund zeigt sich der ‘La Courtade’ dann von seiner ‘geizigsten’ Seite. Knochentrocken wie selten ein Wein und eine Säure die man suchen muss. Fast hat es den Anschein als verdunstet der Wein in dem Augenblick indem er auf der Zunge landet. Ein faszinierendes Erlebnis. Dabei soll aber nicht vergessen werden, dass sich in diesen kurzen ‘genialen’ Augenblicken ein saftiger, fast cremiger Geschmack bemerkbar macht der auch eine gewisse Würze in sich trägt. Zeitweilig blitzt so etwas wie der an sich verhasste Seetang durch, der aber in diesem Fall sowohl in der Nase wie auch im Mund dem Aromenspektrum eine ganz besondere Note verleiht. In Kombination mit der salzigen Frische kann man das Meer förmlich riechen UND schmecken.

Im Konzert dieser ausgeprägten Aromen macht sich aber trotz allem eine gewisse ‘Herbe’ bemerkbar, als wären Tannine im Spiel. Wie kann man bitter-fruchtig-saftig-trocken beschreiben? Man muss es erleben. Der ‘La Courtade’ tritt auf wie ein Sir, ist kultiviert und gesittet, lässt aber gleichzeitig keinen Zweifel an seiner doch energischen Persönlichkeit aufkommen. Der Wein hat Stil, Format und Klasse. Ein echter Aston Martin unter all den Pseudo-Rennern.

Extravaganz für Individualisten

Der Wein hat absolutes Suchtpotential. So schnell wie er sich am Gaumen verflüchtigt, so schnell möchte man den nächsten Schluck nehmen um dieses Erlebnis so lang wie möglich zu konservieren. Die aussergewöhnliche Trockenheit dieses Tropfens macht ihn zu einem äusserst feinen und vor allem kurzweiligen Begleiter.

Mit 12,5% tut dieser Wein nicht ‘weh’ und lässt sich hervorragend weg trinken. Ich habe mir dazu eine Pfanne Krabbenschwänze gegrillt, eine leichte Kapern-Mayonnaise angemacht und als Beilage ein Stück französisches Baguette ins Backrohr geschoben. Was soll ich sagen? Es war einfach köstlich und nach vier Stunden war die Flasche leer. Ich konnte einfach nicht aufhören. Dieser Wein ist eine ‘Gefahr’ für jeden der auf Weine steht, welche soviel Regionalität und Charakter vereinen, dass einem die Worte fehlen.

Um knapp 20 Euro ist der ‘La Courtade’ definitiv kein Schnäppchen. Aber Weine in dieser Qualität gibt es nicht geschenkt. Oft kosten ‘Kaliber’ wie dieses auch problemlos das Doppelte und liefern gleichzeitig nur den halben Weinwert. So betrachtet ist der Kauf dieses Weines eine ausgezeichnete Investition in Geschmack und Individualität, welche jeden einzelnen Cent mehr als wert ist. Unvergesslicher Weingenuss inklusive.

Tipp: Unbedingt in die Karaffe umfüllen und eine Stunde atmen lassen. ‘Langsame Weine‘ brauchen Luft um sich entfalten zu können. Dafür werden Sie mit Geschmackserlebnissen belohnt, die Sie bisher noch nicht kannten. An der Wall Street würde man sagen ‘Buy!’

Wein & und Winzer-Info:


Wein: ‘La Courtade’ Côtes der Provence blanc 2006
Winzer: Richard Auther – Domaine de La Courtade
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2012+
Anbau: Biologisch
Ausbau: Barrique
Besonderes: Ecocert®
Dekantieren: Ja

Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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