Le Coquin 2015

| 6. Dezember 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

La Coquin Was hat ein Wein mit Wölfen und einer österreichischen Designerin gemeinsam? Mehr als man denkt. Die Rebstöcke der Domaine La Louvière im Languedoc-Roussillon stehen nämlich genau dort, wo sich früher die Wölfe zur Jagd versammelt haben, der Louvière, dem “Wolfsplatz”. Die österreichische Designkünstlerin Cordula Alessandri steuerte das aussergewöhnliche, im Reich der Phantasie angesiedelte Etikettendesign bei und wirkte auch am Gesamtkonzept des Weinguts mit, das 2011 von den beiden Weinliebhabern Nicolas Grohe und Thore Könnecke übernommen wurde. Ich habe heute von den beiden ihren Merlot La Coquin 2015 am Tisch der Wahrheit stehen und bin bereits mehr als gespannt, wie sich dieser “Wolf”, der sich ausnahmsweise nicht im “Schafspelz”, sondern im eleganten Anzug präsentiert, im Glas zeigen wird. Eine halbe Stunde darf er sich in der Karaffe seine neue Umgebung anschauen, dann ist es Zeit für seinen grossen Auftritt. Dann darf er heulen, der Wolf.

Weihnachten in der Nase

In kräftigem kirschrot dreht der Le Coquin im Becher seine Runden. Aromen von reifen Pflaumen, untermalt von einer feinen Prise Zimt, strömen einem in die Nase. Es fühlt sich gut an, es riecht saftig, ein wenig nach Erdbeeren und auch eine leise Orangennote macht sich bemerkbar. Feine Würze im Hintergrund, zart rauchig, man möchte sogar meinen, dass es etwas “Weihnachtliches” an sich hat. Ein Duft der zum Verweilen einlädt, ein Duft, der Freude auf den ersten Schluck macht.

Frisch, verspielt & kühl

Wie ein richtiger Charmeur zeigt sich der Le Coquin im Mund. Reif sein Saft, der sich über die Zunge wälzt, fruchtig, durchaus, aber nicht banal. Pflaumen und Waldbeeren hier, eine verspielte Erdbeere da. Das Gerüst aus weichem Gerbstoff, was sich rund und gut anfühlt im Mund. Am Gaumen leicht erdig, fein würzig, kalkig, knochentrocken. Überraschend frisch ist der Gesamteindruck den der Tropfen hinterlässt. Keine Spur von schwer oder gar fett, hier ist Kühle das Gebot der Stunde. So macht Merlot Spass. Und das aus dem heissen Languedoc-Roussillon, Respekt.

Merlot der rockt

Grossen Spass macht es zu beobachten, wie sich der Le Coquin mit etwas Luft immer mehr zu einem richtig eleganten Tropfen mausert. Die Frucht wird deutlicher, der Saft voller und die Textur wird immer feiner. Besonders harmonisch ist das Zusammenspiel von Frucht und Würze, von kühler Frische und reifem Saft. Alles hat seinen Platz, nichts macht einen Alleingang, alles spielt wunderbar zusammen. Am Gaumen zieht der Tropfen knochentrocken ab, das Finale mehr würzig als fruchtig, erst am Ende taucht sie wieder auf, die dicke Pflaume, und erinnert einen daran, dass hier ein Merlot im Wolfspelz steckt.

Wer mit so manch “heissem” Saft aus dem Languedoc-Roussillon bereits Bekanntschaft machen durfte, wird vom Le Coquin schwer überrascht sein. So viel kühle Frische ist nicht unbedingt die Referenz aus dieser Gegend, weshalb es umso erfreulicher ist, diesen Wein im Glas zu haben. Ein unkomplizierter, auf alle Schnörkel verzichtender Rotwein ist das, perfekt für den täglichen Genuss, genug Frucht um liebenswert zu sein, genügend Würze um Charakter auszustrahlen und einen Trinkfluss, wie es sich für einen Alltagswein gehört. Ein mehr als gelungener Merlot, aus einer Gegend, die nicht gerade für “Kälteperioden” bekannt ist. Hier hat man alles richtig gemacht. Und der Preis von lächerlichen 8 Euro 50 ist das Sahnehäubchen oben drauf. Zuschlagen und munter drauf los bechern. Der Tropfen rockt.

Tipp: Etwas Luft tut ihm gut. Mit 16-18º geniessen. Zu Gegrilltem, zu Pizza und Pasta und als Solist ein echter Trinkwein. Macht riesig Spass.

Wein & und Winzer-Info:

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Wein: Le Coquin 2015
Winzer: Domaine La Louvière
Rebsorte(n): Merlot
Anbaugebiet: Malepère, Languedoc-Roussillon
Anbau: Biologisch
Ausbau: Stahltank
Empfehlung: Etwas Luft bringt die Aromen besser zur Geltung
Verschluss: Schraubverschluss

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter (D), Verkostet

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