Melonix (Vin de France)

| 6. November 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Melonix Asterix und Obelix sind Ihnen ein Begriff, die Gallier natürlich ebenso. Und genau so ein Gallier, nämlich Melonix, steht heute hier bei mir am Tisch der Wahrheit. Ein Vin der France, der nur ohne Angabe von Jahrgang, Rebsorte und Herkunft in den Verkauf gebracht werden darf, das Europäische Weinrecht schreibt das so vor. Das ist Jo Landron aus La Haye Fouassiere in der Region Muscadet an der Loire, von dem ich unter anderem bereits seinen Le Fief du Breil und den Atmosphères Vin Mousseux verkostet habe aber schnurzegal, pfeift er doch drauf was Bürokraten sagen und lässt der Natur in diesem Wein absolut freien Lauf. Weil sehr wohl sein kann, was nicht darf, wie es scheint. Und so kommt der schräge Gallier, ein reinsortiger Melon de Bourgogne auch unfiltriert, ohne Aufzuckerung, ungeschönt und ungeschwefelt in die Flasche. Ausgebaut wurde der Tropfen im Beton, die Trauben stammen von 20 Jahre alten Reben, die penibel vor der Kelter aussortiert wurden, von schlappen 11,5 PS wird er angetrieben und bevor er in das Glas kommt, darf er sich für eine Stunde seine neue Umgebung ein wenig aus der Karaffe ansehen.

Der Atlantik in der Nase

Leicht trüb, wie nicht anders zu erwarten war, steht der Melonix in hellem strohgelb im Glas. Was sich im Riechorgan abspielt ist vergleichbar mit dem Naturschauspiel das eine Meeresbrandung mit sich bringt. Viel Salz, viel Jod, viel Muschelschalen und ein paar frische Algen. Es riecht nach Meer mit einem Schuss Zitrone. Muss man mögen. Ist anders und vor allem ungewöhnlich. Auf jeden Fall kommt man jedoch schwer wieder los davon wenn man sich erstmal daran “eingerochen” hat.

Sahnig, saftig, salzig. Super!

Salz und Zitrone. Oder Zitrone und Salz? Dazu Algen und Muschelschalen auf der Zunge. Irre, abgefahren und unglaublich gut! Suchtstoff, fällt mir augenblicklich ein. Muss man schmecken und vor allem spüren. Der Melonix hat null Gewicht im Mund und steht trotzdem in einer sahnig weichen Fülle auf der Zunge, zeigt Rundungen und ist federleicht dabei. Salzig bahnt er sich seinen Weg durch die Mitte, streichelt den Gaumen mit seinem betörend weichen Körper und was die Zitrone anstellt ist sowieso Weltklasse. Reif, saftig, alles andere als sauer, lässt sie sogar das Salz in gewisser Weise opulent erscheinen. Das Zeug ist einfach grandios und man ertappt sich, wie man immer mutiger wird und immer grössere Schlucke davon nimmt.

Naturwein at its best

Je öfter ich davon koste, umso mehr wird mir wieder klar, wie sehr ich Muscadet liebe. Vor allem wenn er wie der Melonix schmeckt. Oder sich anfühlt. Es ist nämlich auch das Mundgefühl, das diesen Wein so sexy macht. Butterweich liegt er im Mund und zeigt trotzdem ungemeine Frische. Seine Salzigkeit ist rund und saftig, erinnert ein wenig an eingelegte Zitronen denen alles Saure bereits fehlt. Nur ein Rest davon ist da und man erinnert sich auf einmal wieder an den Geschmack der feuchten Gischt, die einem am Atlantik unausweichlich ins Gesicht hüpft. Hat man sich auf den Melonix einmal eingestellt, dann kommen einem unweigerlich die köstlichsten Kreationen von Fisch- und Krustentiergerichten in den Sinn.

Nimmt der Tropfen Luft zu sich, so stellt man fest, dass er ein wenig schlanker wird, einen Teil seiner Rundungen abbaut und immer feiner über die Zunge fliesst. Dafür wird er wieder salziger, was einfach köstlich ist. Auch am Gaumen wird er feiner, baut eine sehr subtile Haftung auf und lässt, so scheint es, ein wenig von seiner ehemaligen Behausung schmecken; Beton. Eine feine Steinigkeit schmeckt man, sie sorgt für noch mehr Frische und auch für mehr Textur. Was letztlich unverkennbar ist, ist der Umstand, dass dieser Wein wie richtig guter Naturwein schmeckt. Kenner wissen wovon ich rede, es zu erklären ist schier unmöglich. Wer aber öfter ein Glas Naturwein trinkt, der kann sich diese unverkennbare Charakteristik jederzeit abrufen und entsprechend zuordnen. Der Melonix gehört definitiv zur Spitze dieser Kategorie. So kann Naturwein schmecken, so macht Naturwein Spass. Bravo, Jo Landron!

Tipp: Eine Stunde in die Karaffe mit dem Tropfen. Nicht zu kalt trinken, um die 10-12º sind fein. Zu Fisch und Krustentieren, zu Muscheln und allem anderen was aus dem Meer kommt. Als Solist ein fröhlich frischer Muscadet, der einfach Spass im Mund macht.

Wein & und Winzer-Info:

Melonix
Wein: Melonix (Vin de France)
Winzer: Jo Landron
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2020
Boden: Sand/Lehm/Geröll
Ausbau: Beton
Besonderes: Naturwein, ungeschwefelt
Dekantieren: Ja

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

Ihr Kommentar