Pinot Noir “S” 2013

| 6. Oktober 2016 | 0 Kommentare Alles lesen

pinot-noir-s-2013 Lange ist es her, dass ich einen Wein vom berühmten Kaiserstuhl in Baden im Glas hatte. Und wie es der Zufall will, ist es heute wieder ein Wein vom Weingut Holger Koch aus Vogtsburg-Bickensohl. Damals war es ein Grauburgunder, heute ist es sein Pinot Noir “S” 2013, den ich zur Verkostung am Tisch der Wahrheit stehen habe. Holger Koch vergärt seine Weine spontan und baut sie in Holzfässern aus. Schwefel setzt er nur so spärlich ein wie es erforderlich ist. Vor ein paar Jahren hat er auf ökologischen Anbau umgestellt und ist auch zertifiziert. Für seine feinen und eleganten Pinots sorgen französische Klone hochqualitativer Burgunderreben. Sie lassen für Deutschland einzigartig zarte wie auch rassige Pinots entstehen und Holger Koch weiss ganz genau wie man das macht. Dafür feiern ihn die Fachpresse und namhafte nationale und internationale Verkoster Jahr für Jahr aufs Neue und überschlagen sich mit Lobeshymnen. Sein Pinot Noir “S” ist so ein Kandiat und bevor ich ihn ins Glas verfrachte, kommt er für eine Stunde in die Karaffe.

Fein, elegant, ätherisch

Glasklar, fast transparent, steht der Pinot Noir S in leuchtendem kirschrot im Burgunderbecher. Ein Mix aus roten und schwarzen Waldbeeren zieht das Riechorgan hoch, feine Erde, etwas Laub und getrocknete Zweige sorgen für eine elegante Würze. Feiner Rauch und schwarzer Tee schweben über allem und hauchen dem Tropfen eine leicht ätherische Note ein. Es fühlt sich frisch an in der Nase, kühl und ausgeprochen herbstlich. Ein wunderschöner Duft.

Wunderschön, phantastisch, köstlich

Fein und elegant macht sich der Pinot Noir S über die Zunge her. Extrem schlank im Körper, traumhaft kirschig mit einem Schuss Zitrone hinten dran und einer Rasanz, die, wenn man die “Roten” Holger Kochs kennt, nicht wirklich überrascht. Das ist klar im Mund, rein und frisch wie man es bei vielen Spätburgundern leider suchen muss. Und trotzdem hat der Tropfen feinsten Grip am Gaumen wie auch auf der Zunge. Filigran wirkt es fast, man möchte ihn ganz vorsichtig bewegen, langsam kauen und sich an dem frischen Säurespiel vergnügen. Der Wein schwebt im Mund, ist kühl wie eine nordische Schönheit, verzückt mit einem Fruchtwürzesäurespiel das einmalig ist. Man hat den Herbst im Mund, schmeckt einen letzten Rest von sommerlicher Frucht und ahnt bereits die Zeit, wo Tee wieder Bestandteil eines Abends wird. Welch wunderschöner Wein, welch phantastisches Mundgefühl und welch köstlicher Geschmack.

Zieht jeden in seinen Bann

Wer, wenn er diesen Tropfen erst einmal im Mund hat, kein Fan von Spätburgunder wird, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer schlanke Weine liebt die Eleganz, Finesse und kühle Frische versprühen, der kommt an Holger Kochs Pinot Noir S nicht vorbei. Die Kirsche dominiert im Mund auf eine Art und Weise, wie es sonst nur Keith Jarrett am Klavier schafft. Mal fordernd, mal leise, immer subtil und durchgehend eindrucksvoll. Fest am Gaumen, fein auf der Zunge, zart rauchig, kirschig rot und herbstlich erdig. Mit einer Struktur durchzogen die sich wie ein Kaschmirschal an einen anschmiegt. Dabei jedoch so klar in der Erscheinung, wie man es nicht für möglich halten würde. Hab ich hier Baden oder doch einen getarnten Franzosen aus dem Burgund im Mund?

Seine wahre Klasse aber zeigt der Pinot Noir S, sobald er ein längeres Sauerstoffbad genommen hat. Unglaublich fein steht er im Mund, auf der Zunge leicht angesauerte Kirsche, am Gaumen 100% gekühlte Seide. Der Abgang Herbst pur. Laub, Zweige, rote Waldbeeren und eine leise Note von Ceylontee. Frei von Gewicht scheint er zu sein, frei von jedem Schnickschnack ist er sowieso. Null Ballast, nur reine, klare, frische kühle Freude. Cara Delevingne wäre wohl das Model, das diesen Spätburgunder perfekt verkörpern würde. Auf und neben dem Laufsteg. Ich entscheide mich für ein zweites Glas, weil mich der “S” in seinen Bann gezogen hat und ich unbedingt noch mehr von diesem so burgundischen “Spätburgunder” haben will. Kaufen Sie was sie kriegen können. Das Zeug ist einfach köstlich.

Tipp: Gönnen Sie ihm eine Stunde in der Karaffe und trinken sie ihn mit frischen 16º. Passt wunderbar zu kurz gebratenem Fleisch, zum Fasan und zur Gans und/oder Ente. Oder einfach so geniessen weil er gar so köstlich ist.

Verkostet wurde ein Pinot Noir “S” 2013 von Holger Koch aus Vogtsburg-Bickensohl am Kaiserstuhl in Baden, Deutschland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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