Riesling “Der Sommer war sehr gross” 2016

| 11. Oktober 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Der Sommer war schoen Weil´s wieder an der Zeit ist; für Riesling. Von der Mosel. Weil ohne Riesling das Leben einfach nicht komplett ist. Deshalb wird heute wieder eine Flasche dieser Edelrebe aufgemacht und ihrer Bestimmung zugeführt. Von Kilian und Angelina Franzen kommt der Wein, vom Weingut Franzen, irgendwie klar, und dieser Tropfen hört auf den total schrägen Namen Der Sommer war sehr gross, was wohl auf den Jahrgang hinweisen dürfte. Die Rebstöcke für diesen Wein stehen in den steilsten Weinbergen Europas, dem Neefer Frauenberg und dem Bremmer Calmont, und was die beiden den 7 ha Steillagen mit zum Teil 60 Grad Hangneigung Jahr für Jahr “entreissen”, gehört zum Feinsten was man aus den kargen Schieferböden holen kann. Ich habe jetzt den Jahrgang 2016 am Tisch der Wahrheit stehen und zur Vorsicht habe ich auch Seil und Karabiner ausgepackt. Nur für den Fall, dass dieser Wein genau so steil sein sollte wie die Lagen denen er entspringt. Also, Schrauber runter und den Helm brav aufgesetzt.

Frisch, fein, richtig vornehm

In relativ hellem Gelb steht der “Sommer-Riesling” im Glas. Unverkennbar der Schieferboden, der einem sofort in die Nasenflügel strömt. Darüber eine zarte Kräuternote, grüne Wiese, Zitrusfrüchte, weisser Pfirsich. Ein frischer wie auch erfrischender Duft der sich des Riechorgans annimmt. Positiv, dass es kein lauter Duft, sondern ein richtig feiner, eleganter ist, der auf Gebrüll verzichtet und trotzdem höchst animierend ist. Ich freu mich auf den ersten Schluck, auch weil bereits ganz leichter Speichelfluss im Mund einsetzt.

Von wegen gross. Das ist ganz gross!

Oh ja, das kann was! Marille rollt die Zunge entlang, im Schlepptau eine Nektarine, gelb die Würze die unter allem mitfliesst. Oh ja, das macht ja richtig Spass! Feiner Schieferrauch am Gaumen, dazu eine süsse Ader die mehr als sexy ist, weil a) in Rauch gehüllt und b) von flotter Säure kunstvoll unterstützt. Ein Tropfen den man kauen, quetschen, drücken, knutschen will. Was macht dieser Der Sommer war sehr gross für Spass, was ist das für ein tolles Teil. Zur Info sei gesagt, dass dieser Tropfen keiner aus einem eigenen Weinberg, sondern eine Cuvee aus dem Calmont und dem Frauenberg ist, womit man das Beste aus den beiden Lagen im Glas hat. Und so schmeckt es auch.

Steilterrassenrieslingtraum

Phantastisch ist das dezente, aber doch präsente Fruchtspiel. Kaum hat es einem seine wunderbaren Marillen- und Pfirsicharomen angedeutet, schon kommt eine Wolke Schieferrauch daher und hüllt die beiden sanft in ihrer Würze ein. Man spürt wie sich der Rauch dann Richtung Rachen aufmacht und dort noch einmal richtig schiefrig wird. Um am Ende wieder aufzugehen und die beiden Früchte ihres Weges ziehen zu lassen. Was bleibt ist eine feine süsse Note, ein Tick Marille und das Verlangen, sich augenblicklich wieder die Kiemen mit dem Zeug zu fluten. Der Sommer war sehr gross will ständig nachgefüllt sein und wer nicht aufpasst, hat eine Flasche in Rekordzeit weg gemacht.

Ich bin ja fast dafür, dass man diesem flotten Tropfen etwas Luft gönnt und ihn dann einfach rücksichtslos in sich hinein kippt. Erstens weil er leichten Grip im Mund aufbaut, weil er ausgesprochen fein und mineralisch wird, und weil man, dank der lächerlichen 11,5 Umdrehungen, bedenkenlos zum Tempobolzer werden kann. Das Zeug rockt die Futterluke, tut gut, fühlt sich gut an, schmeckt vorzüglich und was Marille, Schiefer, Würze, Rauch und Nektarine von sich geben, ist einfach umwerfend. Ich hab bereits das dritte Glas, nur nebenbei bemerkt, und verwette Haus und Hof, dass in einer Stunde nichts mehr von dem Teufelszeug hier übrig ist. 11 Euro für eine Flasche Steilterrassen-Rieslingtraum sind mehr als fair. Am besten kistenweise bunkern.

Tipp: 8-10º sind perfekt. Zu Kalbsmedaillons, zu gebratenem Zander, zum Kalbsschnitzel, oder einfach so genossen. Als Solist ein Tropfen, der in Rekordzeit verdunstet. Gross.

Wein & und Winzer-Info:

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Wein: Der Sommer war sehr groß 2016
Winzer: Franzen
Rebsorte(n): Riesling
Anbaugebiet: Mosel
Anbau: Biologisch
Ausbau: Großes Holzfass, Stahltank
Empfehlung: Serviertemperatur 8-10°C
Verschluss: Schraubverschluss

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter (D), Verkostet

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