Getariako Txakolina 2016

| 9. Oktober 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Txakolina 2016 Auch wenn die Flasche und vor allem das Etikett eher nach Tequila aussieht, es ist Wein drin. Und zwar einer, auf den ich 2012 zum ersten Mal gestossen und seitdem ein höriger und begeisterter Fan dieses schrägen Tropfens bin. Getariako Txakolina Adur heisst das Teil, die Rebsorte hört auf den Namen Hondarribi Zuri. Zuri steht für weiss und Hondarribi wird von Hondarribia abgeleitet, was seinerseits eine Stadt im Baskenland ist. Somit schliesst sich der Kreis in Getaria, von welcher sich am Ende Getariako ableitet. So ein Wein wie der, kann nur eine ebenso schräge Geschichte haben. Jedenfalls habe ich den Txakolina von Maitena Barrero erstmals 2012 verkostet und heute habe ich den Jahrgang 2016 auf meinem Tisch der Wahrheit stehen. Auch wenn es sich dabei um einen lupenreinen Sommerwein handelt, so hat der Txako, wie ich ihn liebevoll nenne, gerade auch im Herbst seinen ganz besonderen Reiz. Warum, weshalb und wieso, ist hier ausführlich nachzulesen. Also, Flasche auf und rein ins Glas. Das ist Wein zum Bechern.

Willkommen am Meer

Fast weiss steht der Txakolina im Glas und am Glasrand sieht man ultrafeine Bläschen prickeln. Wissend was kommt, freue ich mich bereits drauf. Aus dem Becher selbst hüpft einem der ganze Atlantik in die Nase, man kann das Salz schon schmecken, ohne dass man den Wein im Mund hat. Es fühlt sich wie durch die Luft wirbelnde Meeresgischt an und was die Nasenflügel hoch strömt, lässt im Mund den Wasserpegel steigen. Muschelschalen, etwas Jod, ungemeine Frische, komplett fruchtbefreit. Ich stecke meine Nase in das Glas und bin am Meer. Es kommt Sehnsucht auf, nach dem Wasser, aber noch mehr nach dem ersten Schluck, der wie immer ein ganz besonderes Erlebnis ist.

Von wegen Salz in der Suppe

Jippieh, was für ein Spass! Nein, das ist nicht sauer, das ist salzig! Und ja, das mit dem Speichelfluss gehört dazu. Nämlich, dass dieser, kaum dass der Txako sich der Wangen und der Zunge annimmt, augenblicklich einsetzt und für fröhliches Gegrinse sorgt. Den nächsten Schluck, die nächste Füllung bitte, ich will weiter grinsen. Salzig auf der Zunge, als würde man an der Muschel die man grade aus dem Meer gefischt hat lecken. Am Gaumen allerfeinste Pikanz, Zitrone und natürlich wieder … Salz. Das ist Wein mit dem gewissen “Extra”, der ist frech, lebendig, er macht Spass und schert sich null darum, ob man mit ihm klar kommt oder nicht. Die feinen Bläschen hauchen dem Kerl noch den Extrakick ein. Das ist der ultimative Weinspass, dem man sich nicht zuletzt dank der schlappen 11,5 Umdrehungen, reuelos hingeben kann.

Txako forever

Da der Txakolina ein Wein ist, der unbedingt jung und frisch getrunken werden sollte (was ich jedes Jahr aufs Neue auch befolge), ist es heute umso interessanter, ihn erstmals am “Ende der Saison” zu verkosten. Und siehe da, zu all dieser überbordenden Frische und Salzigkeit, hat sich etwas “weiches” dazu gesellt. Fast möchte ich das als floral bezeichnen. Es sind weisse Blütenaromen die plötzlich da sind, eine sehr sehr feine Herbheit hat sich am Gaumen und im Abgang eingeschlichen, der Txakolina tut, als wäre er “erwachsen” geworden. An der Luft wird er auf einmal richtig griffig, entwickelt Textur, die ich im Sommer noch nie bemerkt habe (weil das Zeug ganz einfach selbstverdunstend ist und ich es einfach in meiner grenzenlosen Gier literweise weg gesoffen habe). Und jetzt macht Txako auf einmal auf erwachsen.

Was den Txakolina 2016 aber tatsächlich auffallend von seinen Vorjahrgängen unterscheidet, ist, dass er, auch wenn es bei dieser rassigen Schlankheit fast dämlich klingt, ein wenig runder geworden ist. Haben einem die letzten Jahrgänge förmlich den Speichel aus den Poren gezogen (im positivsten Sinn), so fühlt sich 2016 fast schon vornehm an. Nichts desto trotz bolzt der Tropfen mit einem Tempo und einer Frische durch die Luke, die man von anderen Weinen so nicht kennt. Er ist leichtfüssig, verspielt und unkompliziert und am Ende ein Wein, den man mehr spürt als schmeckt. Wer bereits im Baskenland war und sich dort kulinarisch herum getrieben hat, dem wird Txakolina nichts Neues sein, wer aber noch nie dort war und daher auch nicht dieses “Nationalgetränk” gekostet hat, dem steht ein wahrlich wunderbares wie auch höchst erfrischendes Abenteuer bevor. Lassen Sie sich ein auf diesen Tropfen, und, das verspreche ich, wenn man erst einmal das zweite Glas vernichtet hat, dann sollte man drauf schauen, dass immer eine zweite Flasche von diesem Teufelszeug geöffnet ist. Im Sommer merkt man nicht einmal, dass man schon eine Flasche weg gebechert hat, im Herbst, wie jetzt, da macht der Txako aufgrund etwas fortgeschrittener Reife plötzlich feinst herben und floralen wie auch knochentrockenen Trinkspass. Ich mach jetzt noch ne Flasche auf, weil, eh schon wissen … Verdunstung, und so. Zum Wohl.

Tipp: Flasche aufmachen und mit knackigen 7-8º verputzen. Zu Pinchos und Tapas, zu Fisch vom Grill, zu Salzgebäck (wirklich gute! Chips), zu Salaten, oder einfach als Durstlöscher. Der Tropfen ist der absolute Überflieger.

Wein & und Winzer-Info:

Txakolina
Wein: Getariako Txakolina 2016
Winzer: Barrero y Gomez
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: – 2019
Boden: Braunerde kalkhaltig
Ausbau: Edelstahl
Besonderes: soll jung und frisch getrunken werden
Dekantieren: Nein

Den Wein gibt es in der Weinfachhandlung K&U Weinhalle in Nürnberg zu beziehen.

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

Ihr Kommentar