VieVinum 2012 – Nachlese

| 4. Juni 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Von 2. bis 4. Juni fand heuer wieder die VieVinum in der Wiener Hofburg statt. Zum achten Mal in sechzehn Jahren. Ein festlicher Rahmen für die mehr als 500 Aussteller die an diesem internationalen Weinfestival teilgenommen haben. Als Österreichs grösste und auch bedeutendste Weinveranstaltung treffen sich Winzer wie auch renommierte Weinhandelshäuser zum vinophilen Stelldichein und pflegen Kontakte mit ihren Kunden, Fachbesuchern und auch mit der interessierten privaten Öffentlichkeit. ‘Ganz Österreich an einem Tisch’ könnte man sagen, zum Glück sind aber unsere heimischen Aussteller jeweils an ihren eigenen ‘Tischen’ anzutreffen. Um die 500 waren es heuer, welche in den unzähligen Hallen und Sälen der Hofburg aufgestellt waren und sich der Location angepasst, festlich herausgeputzt präsentierten.

Alle zwei Jahre öffnet die Wiener Hofburg ihre Pforten, um als Gastgeber die Winzerschaft Österreichs einzuladen welche in diesen historischen Räumen die Möglichkeit hat ihre Weine zu präsentieren, aber auch ihr Wissen und ihre Erfahrungen an Kunden, Fachbesucher und Weininteressierte weiterzugeben. Gerade “durch die individuelle Betreuung des Fachpublikums kann man die emotionale Bindung an das Weinland Österreich entsprechend steigern”, so Mag. Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM).

Gepflegte Gespräche mit Wein-Persönlichkeiten

Chandra Kurt und ihre Weine

Neben den zahlreichen Gesprächen mit Winzern aus allen Regionen Österreichs hatte ich auch Gelegenheit auf ein frühmorgendliches Gespräch mit der international anerkannten Weinautorin und Weinjournalistin Chandra Kurt aus der Schweiz. Die Hälfte ihrer Kollektion Walliser Weine kannte ich bereits aus persönlichen Verkostungen. Jetzt hatte ich die Gelegenheit, die (zumindest) eine Frau hinter diesen aussergewöhnlichen Weinen persönlich kennenzulernen. Die andere Hälfte dieses Erfolgsduos ist Madeleine Gay, Chefönologin von Provins Valais in Sion. Ergebnis unserer angeregten Unterhaltung war, dass weinquellen.at nun auch die anderen Weine aus dieser ungewöhnlichen und eigenwilligen ‘Collection Chandra Kurt’ zur Verkostung erhält und darüber berichten kann. Für unsere Leser gibt´s dann noch eine ganz grosse Überraschung. Chandra Kurt wird für die ‘Juni-Verlosung’ ihr Buch Vom Humagne Rouge bis Heida plus einer Schatzkiste mit den Weinen dieser Kollektion zur Verfügung stellen. Das Anmeldeformular dazu erscheint in Kürze und die Teilnahme ist wie immer kostenlos.

Reise ins Weinviertel

Selbstverständlich waren aber auch die speziellen Veranstaltungen, welche in einem umfangreichen Rahmenprogramm stattgefunden haben höchst interessant. Auf einer davon hatte ich die Gelegenheit mich in Sachen ‘Grüner Veltliner’ im Zuge der Veranstaltung ‘Grüner Veltliner mit Bodenhaftung’ weiterzubilden. Und zwar insofern als ich gerade in Sachen Grüner Veltliner sozusagen Krems- und Kamptalbelastet bin und die Weine aus dem Weinviertel nicht wirklich kenne. Oft hat man so Gegenden die einfach immer wieder ‘auf der Strecke’ bleiben ohne zu wissen warum eigentlich.

Bei dieser Verkostung von Grüner Veltliner-Weinen sollten die Unterschiede der zahlreichen verschiedenen Bodenformationen des Weinviertels verständlich und leicht zugänglich aufgezeigt werden. Dabei wurden, um das Ganze im Rahmen und überschaubar zu halten, jeweils vier Weinproben vom Jahrgang 2011, von vier speziellen Bodentypen unter der Leitung von Falstaff-Chefredakteur Peter Moser vorgestellt. Interessant an dieser Verkostung war für die Besucher in erster Linie das ‘Erleben’ der aromatischen Grundmuster sowie die unterschiedlichen Nuancen die sich Regions- und Terroirbedingt zeigen. Vier Regionen, vier komplett unterschiedliche Geschmacksmuster.

Entsprechend überrascht war ich dann auch durch die ausserordentlich bodengeprägten Weine. Stilistisch sind sie in der Tat anders, viel pfeffriger und frischer, rassiger und vor allem – gemäss DAC-Regel – ohne Holztöne. Dazu noch mit max. 12,5% nach oben hin limitiert und somit herrlich leicht und erfrischend zu trinken. Im Grunde genommen der typische Grüne Veltliner den man zum klassischen Wiener Schnitzel geniesst. Bei den 9 Flights mit jeweils 2 Weinen hatte man die Gelegenheit die typischen Bodenmerkmale herauszuschmecken. Ein sehr interessantes Unterfangen welches durchgehend klar erkennen liess, wie sich der Grüne Veltliner des Weinviertels von jenen aus anderen Anbaugebieten unterscheidet. In Summe ein Erlebnis und die persönliche Erkenntnis, in Zukunft öfter mal einen Tropfen aus dieser Gegend aufzumachen. Selbstverständlich werde ich darüber berichten.

Projekt Steiermark und das Chaos der Ersten Lagen

Der zweite Tag war einerseits für das Weinland Steiermark und andererseits für den Besuch der Veranstaltung 100 der besten Ersten Lagen – 200 der besten Weine verplant. Die Steiermark ist nach wie vor irgendwie ein Stiefkind des österreichischen Weingeschmacks und nur zu gern und allzu oft bedient sich der ‘gemeine Weinfreund’ der bekannten Weine aus dem Burgenland oder den berühmten Gebieten Niederösterreichs. Doch gerade in der Steiermark tut sich einiges und jeder der echtes Interesse am Wein hat, sollte einmal über den Semmering fahren und sich dort ein wenig ‘herumtreiben’. Bei meinem Besuch am ‘Tisch’ von Maria und Sepp Muster aus Leutschach habe ich dann Weine kennengelernt, die ich so noch nicht getrunken habe und die dermassen eigenständig, eigenwillig, unverwechselbar und charaktervoll waren, dass ich diese unbedingt auch den Lesern von weinquellen.at vorstellen will. Und so werden wir nicht nur die Weine von Maria & Sepp Muster in den nächsten Monaten hier präsentieren, sondern gleich auch eine komplette ‘Leistungsschau’ ambitionierter Winzer aus der Region durchführen. Dazu mehr in Kürze, da die Details gerade ausgearbeitet werden.

Massenandrang bei den 'Ersten Lagen'

Anschliessend ging es darum die 100 besten ‘Ersten Lagen’ sowie deren 200 besten Weine kennenzulernen. Und so ging es ab in den Kleinen Redoutensaal wo sich alles mit Rang und Namen versammelt hatte. Präsentiert wurden die Weine vom VDP-Verband Deutscher Prädikatsweingüter, den Österreichischen Traditionsweingütern, sowie von den Steirischen Terroir- und Klassikweingütern. Obwohl der erste Teil der Fachpresse vorbehalten war und man nur als registrierter Besucher Zutritt hatte, war der Andrang derart enorm, dass man Mühe hatte sich mit seinem Glas unfallfrei durch die Menge zu bewegen. Hervorzuheben sind von diesem Event meine Gespräche mit Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem sowie meine Verkostung der Weine von Peter Jakob Kühn aus dem Rheingau. Einige der aussergewöhnlichen Weine dieser Ausnahmewinzer werden wir demnächst für unsere Leser verkosten dürfen.

Von Blaufränkisch und anderen Diskussionen

Rotwein - Blaufränkisch - Eisenberg

Am letzten Tag habe ich mich dann unter die Besucher der Veranstaltung ‘Ganz typisch Eisenberg’ gemischt. Eine Weinbauregion im südlichen Burgenland die dafür bekannt ist würzige, mineralische und frische Weine hervorzubringen. Speziell die Blaufränkisch dieser Region sind irgendwie zu ‘Geheimtipps’ mutiert und erfreuen sich einer immer grösser werdenden Fangemeinde. Seit 2009 eine eigene DAC, stehen die Weine von Eisenberg für regionale Authentizität und tragen wesentlich zum immer grösser werdenden Bekanntheitsgrad der Weine bei. Allein schon weil ich ein grosser Fan der Weine dieser Region bin war es für mich Pflicht, mich noch eingehender mit dieser Region zu beschäftigen und meine Ohren ganz weit aufzumachen.

Die an sich gute Veranstaltung hatte leider nur einen Nachteil. Zu viele Weine in zu kurzer Zeit. Der 20-minütige Vortrag über die Region und ihre Besonderheiten war informativ und auch angebracht, nur dann in Folge 12 Weine in vierzig Minuten ernsthaft und eingehend verkosten zu können, liess Stress aufkommen. Während am Rednerpult bereits der vierte Winzer seinen Wein erklärte war man gerade beim zweiten angelangt um sich entsprechende Notizen zu machen. Beim zehnten Winzer war man gerade beim sechsten Wein usw. Am Ende konnte man sich entscheiden ob man dem jeweiligen Winzer zuhört oder ob man sich ausschliesslich auf den Inhalt in seinem Glas konzentriert. Ich habe mich in der Folge von dem was die Winzer erklärten ausgeklinkt und mich ausschliesslich mit dem Verkosten der Weine befasst.

Dabei war sehr klar feststellbar, dass die Blaufränkisch dieser Region aufgrund der klimatischen Gegebenheiten generell frischer und kühler sind als die aus dem Mittelburgenland oder der Gegend rund um den Neusiedlersee, dass sie würziger und vor allem mineralischer sind. Klar zu erkennen war auch wohin die Reise geht, und das war das eigentlich Erfreuliche. Alle präsentierten Weine setzten eher auf eine filigranere Struktur, Weine die feiner ziseliert, schlanker und vor allem alles andere als üppig, heiss und marmeladig sind. Alles Pluspunkte für mehr Trinkspass und noch mehr Freude am Wein. Eine Entwicklung die mehr als zu begrüssen ist.

Kein Interesse an ‘heissen Themen’

Heisses Thema - nur spärlich besucht

Als Abschluss habe ich dann noch bei der Fachveranstaltung Macht, Journalismus, Wein, einer Podiumsdiskussion der Presse vorbeigeschaut weil es mich das angekündigte Thema interessierte. Dabei sollte der Wein im Spannungsfeld zwischen Winzer, Medien und den Konsumenten diskutiert werden. ‘Presse’-Redakteur Gerhard Hofer moderierte die Veranstaltung und diskutierte mit einer Expertenrunde darüber, ob man Geschmack in ein Punktesystem giessen kann, warum sich Konsumenten nach einem Notensystem sehnen und wieviel Macht die ‘Rating-Agenturen’ des Weins haben. Eine an sich durchaus interessante Diskussion mit dem leider enttäuschenden Beigeschmack nur spärlich von der Fachpresse besucht worden zu sein.

Zusammengefasst ist anzumerken, dass alle drei Veranstaltungstage sehr gut besucht waren und sich rund um die Tische immer einiges ‘abspielte’. Ob es sich dabei um tatsächliche Fachbesucher oder um ‘allgemeines’ Publikum handelte konnte man ob der Masse an Menschen nicht mehr wirklich eindeutig feststellen. Den Winzern wird´s egal sein, konnten sie ihre Weine einem breit gefächerten Publikum näherbringen. Und weil nach der VieVinum vor der VieVinum ist, wird sie in zwei Jahren sicher wieder zu einem Muss für jeden, der die Weine Österreichs erleben und deren Winzer kennenlernen will.

Stichwörter: , ,

Kategorie: Blog

Ihr Kommentar