Wein & Werbung

| 7. Oktober 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Im dritten Teil unserer Gastautorenreihe geht heute Huub Dykhuizen einer ganz ‘hinterhältigen’ Frage auf den Grund. Er versucht dabei dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, was es mit den tollen Lobgesängen und Anpreisungen von Weinen aller Art so auf sich hat. Konkret geht es dabei um

Wein und Werbung – Was man glauben darf und was nicht

Wein und Werbung – ein spannendes und oftmals auch frustrierendes Thema. Weinfreunde aus aller Welt freuen sich immer auf Weinwerbung die gut geschrieben ist und die Spannung auf einen Wein erhöht. Frustrierend ist hingegen, dass es leider auch sehr viel sinnentleertes und phrasenhaftes Marketing-Bla-Bla zu lesen gibt. Es ist schon ein Kreuz mit uns Weinfreunden.

Pinoh Grittscho und Modern Talking. Das erklärt manches.

Andererseits gibt es zweifelsohne auch eine breite Masse an Konsumenten, die Wein kaufen, weil sie Wein trinken möchten, ohne sich vorab lange über das Produkt zu informieren. Nun könnte ich böswillig behaupten, dass diese Unwissenheit von großen Weinkellereien und den großen Lebensmitteleinzelhändlern gern gesehen, wenn nicht sogar bewusst gesteuert wird, denn so lässt sich Wein in vielen Fällen als schnelles Konsumprodukt leichter verkaufen, ohne groß Geld in die Werbung und das Marketing stecken zu müssen.

Godverdomme, das war ein ganz schön verschachtelter Satz, der mich gleich an so manche Weinwerbung denken lässt. Denn auch die ist allzu häufig unverständlich, allgemein gehalten und wenig informativ. Aber ist das wirklich immer so, oder ist es mein bloßes Empfinden als vermeintlich aufgeklärter und informationshungriger Wein-Freak? Ein Grund mehr, um diesem Thema auf den Grund zu gehen.

Kann man Weinbeschreibungen überhaupt noch vertrauen?

In dieser Frage, die Leo mir stellte, reibe ich mich an dem kleinen Wort noch. Schließlich impliziert es, dass Weinwerbung in früheren Jahren glaubwürdiger gewesen sein könnte. Ich lehne mich hier gerne weit aus dem Fenster und behaupte: glaubwürdige Werbung war und ist selten zu finden. Vielmehr wollen wir Konsumenten doch oftmals angeschwindelt werden! Ich kann mir den Aufschrei mancher Leser schon jetzt – beim Schreiben dieser Zeilen – gut vorstellen. (Gerade überlege ich, ob ich hier überhaupt eine Erklärung für meine Behauptung ablegen soll – und entscheide mich dafür, diese provokanten Worte als Denkanstoß unkommentiert stehen zu lassen. Stattdessen verweise ich auf Armin Koblers Beitrag Die Beichte — La confessione.

Wie erkenne ich ob ich eine Winzerbeschreibung oder einen Pressetext lese?

1,50/Flasche. Was da drin ist stellt man sich lieber nicht vor.

Mal ganz ehrlich – worin liegt der Unterschied?

Jeder Winzer möchte seine Weine gut beschrieben wissen, egal ob er den Text dazu selbst schreibt oder von professionellen Textern verfassen lässt. Unterm Strich zählt einzig und allein, dass der Wein sich gut verkauft.

Letztendlich lässt sich der Unterschied nur dann zu 100% erkennen, wenn der Wein negativ beschrieben wird. Und das wird er in der Regel nicht bzw. nur sehr selten.

Wann sollte man die Finger von einer Flasche lassen?

Diese Frage ist echt drollig, oder? Dazu fallen mir einige passende und unpassende Antworten ein. Du solltest die Finger von einer Flasche lassen, wenn…

… Du Anti-Alkoholiker bist
… Du gerade aus der Entziehungskur zurück gekehrt bist
… Dir ein 1945er Château Mouton Rothschild für € 4,95 angeboten wird
… die Flasche nur noch zur Hälfte gefüllt im Regal steht
… Händler und Fachpresse von dem Wein abraten
… Du keine Lust auf Wein sondern auf Bier hast
… Du Deinen eigenen Grund gefunden hast

PS: So individuell wie die Weingeschmäcker ist auch die Weinwerbung. Und wie bei jedem Geschmack, lässt sich entweder gar nicht oder vortrefflich darüber streiten. Fakt bleibt, dass eine gute Weinwerbung leider selten zu finden ist, oder es liegt nur am eigenen Geschmack, dass einem die eine oder andere Werbung nicht als gut genug erscheint? Diesen Gastbeitrag habe ich ganz bewusst launischer als gewohnt verfasst, so ist es Dir überlassen, ob Du mir glauben darfst oder nicht.

Der Autor:

Huub Dykhuizen bezeichnet sich selbst als puren Weinamateur und nicht als Weinkenner oder Weinexperten. Seine vergnüglichen und fundierten Gedanken entstehen im wahrsten Sinne des Wortes Amateur: aus seiner Liebe zum Wein.

Mit mehr als zwanzig Jahren Erfahrung ist es ihm stets ein großes Anliegen das Thema Wein zu entmystifizieren und jedem die Freude am Wein mit einfachen Worten und ohne Pathos in seinen Weinbüchern und auf seinem Blog näher zu bringen.

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Kategorie: Blog, WeinLounge

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