À Fleur de Pampre rosé 2014

| 1. Oktober 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Bevor der Sommer endgültig zu Ende geht, gibt es heute noch rasch einen Wein aus der Abteilung “rosarot”. Am Tisch der Wahrheit steht dazu der “À Fleur de Pampre” Visan rosé 2014 von der Domaine La Florane aus Visan in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Hier betreibt Adrien Fabre das Weingut, dessen Wurzeln bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Biologischer Anbau und Bewirtschaftung sind bei Adrien Fabre eine Selbstverständlichkeit. Seine Weinberge liegen auf bis zu 380 Meter Höhe, wo die Nächte dann schon etwas frischer sind. Der À Fleur de Pampre ist eine Cuvée aus Cinsault, Carignan und Syrah und wird jetzt mit grösstem Vergnügen untersucht.

Floran 2014 Reinweiss ist das quadratische Etikett das auf der transparenten Flasche klebt. Die linke Hälfte nimmt eine Illustration ein, welche nicht wirklich erkennbar ist, bei genauerer Betrachtung aber irgendwie an einen Rebstock erinnert. Ein “wirres Gekritzel” mit einem Filzstift träfe es genauso. Auf jeden Fall strahlt es eine gewisse Dynamik aus. Im rechten Teil oben der Name À Fleur de Pampre, was soviel wie “die Blüte der Rebe” bzw. “Rebblüte” heisst. Und damit ist auch die Illustration entschlüsselt. VISAN, die Herkunft, steht in grau in der Mitte und unten DOMAINE LA FLORAN in moderner Typo. Umfasst von einem dicken kreisförmigen Gebilde. Das Rückenetikett enthält alles was unbedingt erforderlich ist, wie auch das Biosiegel, damit man weiss was man bekommt und den Hinweis, dass es sich um einen Wein der Appellation Côtes du Rhône Village Controlee (AOC) handelt. 12,5 PS sind äusserst moderat. Eingefasst ist die Flasche mit einer schwarzen Manschette mit dem Aufdruck La Floran. Und jetzt wird Monsieur Rosa gut gekühlt und ohne weiteres Geschwafel ins Glas gekippt.

Belebend, leicht & intensiv

In hellem lachsrosa funkelt der À Fleur de Pampre aus dem Glas heraus. Himbeeren, Erdbeeren und frische Zitrustöne strömen verführerisch die Nasenflügel hoch. Der Duft des Südens steht im Glas. Klar, fruchtig, aber auch mit jener feinen Würze unterfüttert die es braucht, um eine charaktervolle Aromatik zu zeigen. Es riecht als hätte man über den Berg von reifen Erdbeeren und Himbeeren den Saft einer ganzen Zitrone darüber gepresst und alles gut durchgemischt. Belebend, leicht und intensiv.

Geschmeidig wie ein Schmusekater

So belebend, leicht und intensiv wie der À Fleur de Pampre in der Nase war, genauso kommt er in den Mund. Doch eines ist anders; er ist weich. Geschmeidig und sanft wie ein Schmusekater zieht er in leichter Fülle über die Zunge, fühlt sich cremig an und ist alles andere als schlank. Was aus diesem wunderbaren Körper ausströmt sind Aromen von frisch gepresster Zitrone, vermengt mit frischen Erdbeeren. Eingehüllt in jene elegante Würze, die gute südfranzösische Rosés so unwiderstehlich sexy macht. Das alles verpackt in einer Hülle die stolz auf ihre Speckfältchen ist und diese selbstbewusst unterstreicht. Der À Fleur de Pampre ist einer der es mag wenn man mit ihm im Mund spielt und ihn auf der Zunge lange stehen lässt, um sich vollständig zu entfalten. Den Gaumen kitzelt er mit feiner Säure, entledigt sich seiner Beerenaromatik und schiesst dann wunderbare Würze nach. Im Abgang rund, saftig, frisch, fruchtig, würzig. Und trocken wie die Erde in den Outbacks.

Rosé der strahlt und wirkt

Man gebe dem À Fleur de Pampre etwas Luft und staune wie er sich verwandelt. Zwar behält er seine Cremigkeit, doch fühlt es sich im Mund jetzt an, als würde er noch während man mit ihm spielt auftrocknen. Dabei hinterlässt er einen traumhaft herben Film an den Lippen und am Gaumen, man könnte es fast schon Minipelzchen nennen. Traumhaft. Auf der Zunge ebenfalls leichter geworden, den Speck komplett abgelegt und auf einmal mehr würzig als fruchtig. Die runde Hülle ist zwar noch immer rund, doch scheint sie erheblich aufgeraut zu wirken. Rote Johannisbeeren tauchen auf, verleihen dem À Fleur de Pampre einen noch keckeren Anstrich. Am Gaumen zitrusfrisch, elegant herb, würzig und einen Tick floral. Erst jetzt merkt man wie trocken dieser Rosé tatsächlich ist. Wie fein und aromatisch alles schmeckt und wie subtil die Mineralik im Hintergund agiert. Machen sie ihn kalt, geben sie ihm Luft und Zeit und staunen Sie.

Was nach einer Stunde dominiert im Mund ist a) die rote Jahoannisbeere und b) die Zitrone. Ein paar vereinzelte Erdbeeren dürfen noch mitspielen, die Himbeeren hat man heim geschickt. Dafür dreht eine freche Würze auf. Und irgendwie hat der À Fleur de Pampre sogar eine gewisse Rassigkeit entwickelt. Tolle Säure treibt ihr Spiel, subtile Mineralik tanzt ihren Tanz, feinster Grip im gesamten Mundraum sorgt für Haftung und eine würzige Fruchtigkeit, oder ist es eine fruchtige Würzigkeit, sorgen für verführerischen Geschmack. Der Gaumen hat das Handtuch weg geschmissen, so trocken wie der Tropfen ist braucht er das nicht mehr. Der Abgang nicht minder trocken, aber doch mit einem letzten Rest von Frucht belegt. Der Nachhall einfach herrlich. Kalkig, staubig, tatsächlich hellstes rosa und furztrocken. Der À Fleur de Pampre ist ein Rosé der strahlt, der wirkt, der typisch südfranzösisch ist. Das ist Rosé der zum Genuss in grossen Mengen, und einfach lächerlich was seinen Preis angeht, gemacht ist. Nicht mal 8 Euro traut man sich für diesen Wein verlangen. In Wien heisst das Mezzie. Wie nennen Sie das?

Tipp: Lassen Sie ihn 30-40 Minuten atmen und geniessen Sie ihn um die 10º. Ein Traum zu Gergrilltem, als Solist ein Rosé, der für echte Kenner wie gemacht ist. Das ist rosaroter Saft aus Südfrankreich in Reinkultur.

Verkostet wurde ein “À Fleur de Pampre” Visan rosé 2014 von der Domaine La Florane aus Visan, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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