Blaufränkisch 2017

| 5. Oktober 2019 | 0 Kommentare Alles lesen

Moric BF Roland Velich gehört einerseits zu den Pionieren des Burgenlandes, ganz sicher ist er aber die Antithese des burgenländischen Blaufränkisch. Mit den Weinen seines “Projektes” Moric hebt er seit Jahren die Weltanschauungen zahlreicher internationaler Weinexperten eindrucksvoll aus den Angeln. Heute zählt er zu den besten, gefragtesten und anerkanntesten Weinmachern Österreichs, der beweist, dass es sich lohnt gegen den Strom zu schwimmen indem er sich schon sehr früh gegen den Ausbau im Holz, reichlich Extraktion und Fruchtsüsse (dem damals gängigen Stil) entschieden hat. Am Tisch der Wahrheit steht heute deshalb sein Blaufränkisch 2017, dessen Trauben von bis zu 50-jährigen Rebstöcken aus den besten Herkünften Neckenmarkt, Lutzmannsburg und Zagersdorf stammen. Für eine halbe Stunde darf sich der Tropfen in der Karaffe nun mit Sauerstoff anreichern bevor er in das Glas kommt.

Kühle Würze & frische Eleganz

Dunkles kirschrot leuchtet einem aus dem Glas entgegen. Der Duft der hochsteigt fühlt sich frisch und kühl und fein an. Wacholderbeeren riecht man, und Grafit, man denkt augenblicklich an die Rhône, obwohl man sich im Burgenland befindet. Elegant, sehr fein mit kühler Würze zieht der Blaufränkisch die Nasenflügel hoch. Ein paar kleine Weichseln haben sich verirrt und sorgen für den Extra-Frischekick. Ein mehr als bezaubernder, weil höchst eleganter, ja fast schon filigraner Duft.

Halleluja!

Wie ein Schuss ins Schwarze. So trifft der Blaufränkisch im Zentrum des Geschmacks ein. Knackig in der Säure, frisch, belebend, rassig, unheimlich schlank und flott zischt der Tropfen über die Zunge. Man kommt aus dem Staunen gar nicht raus. Noch ein Schluck, das ist ja grandios! Null Gewicht im Mund, die Zunge schwerst verzückt über dieses freche Säurespiel. Weichseln auf der Spitze, Waldbeeren etwas weiter hinten. Immer aber Tempo auf der Mittelspur, am Gaumen wie eine Fatamorgana. Kommt an, bleibt kurz, zeigt eine elegante herbe Note und verschwindet wieder. Zurück bleibt eine Sehnsucht die auf Stillung wartet.

So geht minimalistisches Maximum

Wer Muskeln sucht in diesem Tropfen wird das auch noch nächstes Jahr tun. Ohne welche gefunden zu haben. Dieser Kerl ist schlank wie Adonis, hat Temperament und eine klirrende Frische. Wer Extrakt sucht … bitte weitergehen. Von Frucht ist auch nicht viel vorhanden, aber das was da ist, das hat Chuzpe. Was der Blaufränkisch aber hat ist jener Stil und jene Klasse, mit der schon James Bond erfolgreich war. Understatement pur versprüht der Tropfen, lässt dabei aber doch erkennen welch grandioser Typ er ist. Diese elegante Würze die sich da im Mund ausbreitet, einfach traumhaft, das subtile Fruchtspiel, schlicht entzückend, die feine Herbheit die sich wie ein Nebel an den Gaumen anschmiegt, ein unvergessliches Erlebnis. Blaufränkisch von einem anderen Planeten.

Was soll man sagen? Es gibt Blaufränkisch und es gibt Blaufränkisch von Roland Velich. Wer sich für seine Interpretation der Rebsorte entscheidet, der verlässt gewohntes und bekanntes Terrain und taucht ein in eine völlig neue Welt. In eine Welt in der Frische, Eleganz und Leichtigkeit den Ton angeben. Lächerliche 12,5 PS hat dieser Tropfen grademal. In dieser Welt gibt Finesse das Tempo vor, ist alles aufs maximale Minimum getrimmt, um am Ende das minimalistische Maximum zu präsentieren. Dieser Wein wird all jene begeistern, die sonst gerne kühle Weine von der Rhône trinken, die von Kraft und Muskeln nicht viel halten, aber doch auf eine charaktervolle Singularität bestehen. Der Blaufränklsch 2017 sollte diese Kriterien mit links und auf einem Bein erfüllen. Und das bitte, ist nur der “Einstiegswein” in die Blaufränkischwelt von Roland Velich. Einmal eingetreten und Sie kommen nie mehr raus. Versprochen.

Tipp: Verträgt noch gut Luft in der Karaffe und trinkt sich feinst mit frischen 16º. Geht zu Wildbret, zum kalten Braten, oder zur rustikalen Brettljause. Für sich alleine genossen eine Offenbarung.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch 2017 vom Weingut Moric aus Grosshöflein im Burgenland. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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