Châteauneuf du Pape Classique 2016

| 7. Dezember 2018 | 0 Kommentare Alles lesen

Saint_Prefer_Classique Mehr “quer einsteigen” als es Isabel Ferrando getan hat, kann man wohl nicht. Hat sie zuerst Politikwissenschaften in Grenoble studiert, nebenbei noch Kunstgeschichte und dann 10 Jahre erfolgreich eine Bank geleitet, so hat sie am Ende irgendwann der Wein-Virus gepackt, was sie dazu veranlasste, sich Henri Bonneau, einer Ikone der südlichen Rhône, als ihrem Lehrmeister anzuvertrauen und sich in die Kunst des Weinmachens einführen zu lassen. Heute macht Isabel auf der Domaine Saint Prefert in Châteauneuf du Pape die mitunter besten gleichnamigen Weine. Ich habe heute ihren Châteauneuf du Pape Classique 2016 am Tisch der Wahrheit stehen. Eine Cuvée aus hauptsächlich Grenache mit jeweils etwas Syrah, Mourvèdre und Cinsault. Zu 100% im Betontank ausgebaut, dümpelt der gute Tropfen seit zwei Stunden im Dekanter und ich freue mich schon, diesen Wein, von dem der WineSpectator sagt, dass Isabel Ferrandos 2016er vielleicht zu den besten Weinen der Welt” zählen, jetzt im Glas zu haben.

Äusserst feines Duftspiel

In schwarzem kirschrot steht der Classique im Glas. Dunkle, rote Beerenfrucht strömt angenehm die Nase hoch, Brombeeren, Laub und feuchte Erde marschieren vorne weg. Dunkle Schokolade unterfüttert dieses feine Duftspiel, saftige Kirschen kommen langsam aus dem Hintergrund hervor gekrochen, lassen es so richtig saftig in der Nase zugehen. Garrigue-Kräuter runden diesen an sich feinen, leicht verhaltenen Duft harmonisch ab. Präsent im Riechorgan und Freude auf den ersten Mundkontakt machend.

Wohl geformter Schmusetiger

Darf man zu einem Châteauneuf du Pape Schmusetiger sagen? Ich denke in diesem Fall, also beim Classique 2016, darf man das ohne zu zögern. Ausgesprochen weich kommt er auf die Zunge, lässt sofort die in dunkle Schokolade eingelegte Kirschfrucht schmecken und fühlt sich auch am Gaumen richtig wohlig an. Lakritze, Veilchen, Kirschen und auch Brombeeren sorgen für die Fruchtbespielung in der Geschmackszentrale, den Gaumen teilen sich Kräuter der Garrigue mit allerfeinstem Gerbstoff ohne Streitigkeiten auf. Ein wahres Fest im Mund, ein Genuss der eleganter fast nicht sein kann. Was haften bleibt am Gaumen schmeckt ein wenig nach nasser Erde und nach Anisdrops, alles unterfüttert mit einem frechen Kick von Süssholz. Charmant, sexy, wohl geformt und herrlich rund im Mund. Der Abgang zärtlich schokoladig, feinst gewürzt und höchst verführerisch.

Von wegen Einstiegswein. Das ist grosses Kino.

Langsam aber sicher vermengen sich die phantastischen Kirscharomen immer mehr mit den Garriguekräutern, wird das Gerbstoffkleid immer feiner am Gaumen, der Classique 2016 insgesamt immer eleganter im Mund. Auf der Zunge fühlt er sich an, als hätte er Samtpantoffel an, so weich und zärtlich steht er auf ihr und hüllt sie in diese Mixtur aus Brombeeren, Kirschen, Laub und dunkler Schokolade ein. Man schmeckt die Übermacht der Grenache heraus, man spürt die Würze des Mourvèdre, man ist schlicht begeistert von diesem runden Auftritt den der Tropfen da im Mund hinlegt. Ein Châteauneuf du Pape wie ein Gemälde, Opulenz nur ansatzweise angedeutet, der Rest sehr aufgeräumt und klar fokussiert aufs Wesentliche.

Vier Stunden ist der Classique 2016 nun offen, und was passiert? Er wird immer schlanker, immer präziser, immer klarer. Er verliert die Rundungen, bleibt aber kurvig, er entschlackt sich selbst und wird immer feiner im Mund. Am Gaumen rotfruchtig, zart würzig, seidig kühl und wunderschön konturiert. Das Finale immer würziger, der Abgang immer frischer, der Nachhall einfach grandios. Der Tropfen hat wie es scheint seine ideale Reiseflughöhe erreicht und schwebt jetzt förmlich durch die Geschmackszentrale. Ich lasse den Kerl jetzt dann noch drei Stunden in der Karaffe seine Runden drehen und schliesse Wetten darauf ab, dass er dann noch um eine Dimension feiner und präziser wird. So geht Einstiegswein, denn genau das ist dieser Châteauneuf du Pape von Isabel Ferrando. Mehr und besser kann man diesen nicht gestalten. Respekt und alle Daumen hoch. Ganz grosser Wein, ganz laute Kaufempfehlung!

Tipp: Geben Sie dem Tropfen zwei bis drei Stunden im Dekanter. Es lohnt sich. Mit ca. 16º geniessen. Zum Entrecôte, zum Rebhuhn, zum Porterhouse oder zu einem feinen Ratatouille. Ein Universaltalent für alle Fälle feiner Küchenzaubereien.

Verkostet wurde ein Châteauneuf du Pape Classique 2016 von der Domaine Saint Prefert in Châteauneuf du Pape, Frankreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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