Ehrenhausen 2017 Muschelkalk

| 2. November 2019 | 0 Kommentare Alles lesen

Tement Ehrenhausen “Auf nach Entenhausen”, sage ich immer, wenn ich mich in den Zug setzte um Freunde in Ehrenhausen in der südlichen Steiermark zu besuchen. Heute habe ich einen Wein mit diesem Namen, also Ehrenhausen, am Tisch der Wahrheit stehen. Einen reinsortigen Sauvignon Blanc vom weit über die Grenzen hinaus bekannten Weingut Tement aus Berghausen. 1959 von Josef und Edina Tement mit gerade einmal 2 Hektar gegründet und 1976 von Manfred Tement, nach dem frühen Tod des Vaters, übernommen, werden heute 80 Hektar in Österreich und 20 Hektar in Slowenien biologisch-organisch bewirtschaftet. Seit 2018 ist das Weingut auch dementsprechend zertifiziert und wurde 2019 von der Jury der “50 Best Vineyards of the World” auf den 15. Platz der sehenswertesten Weingüter weltweit gewählt. Damit steht man im Ranking VOR den Weingütern wie Antinori, Opus One und Château Smith Haut Laftitte. Wenn der Ehrenhausen 2017 jetzt dann noch so schmeckt wie diese kurze Einleitung, dann kann im Grunde nichts mehr schiefgehen. Also, auf ins Glas mit dem Kandidaten.

Freund der leisen Töne

In sehr helles strohgelb funkelt einem der Ehrenhausen aus dem Glas entgegen. Überraschend leise ist der Duft, der so gar nicht mit dem üblichen Geschrei vieler Sauvignon Blancs die Nasenflügel hochzieht. Stachelbeeren riecht man, typisch, und auch Johannisbeeren. Auch Gras und zarte Minzetöne sind vorhanden. Doch wie gesagt, alles angenehm leise und gesittet. Es muss nicht immer Lärm im Riechoragn sein, es geht auch anders. Gut gemacht. So macht das Spass.

Für Freunde der Gemütlichkeit

Ausgesprochen rund und cremig nimmt der Ehrenhausen dann die Zunge ein. Geschuldet ist der weiche Körper den 12 Monaten die der Tropfen auf der Feinhefe lagerte. Durchaus typisch sind auch die Aromen die sich in Form von Stachel- und Johannisbeeren zeigen. Nur eben auch im Mund auf Zimmerlautstärke gedreht und alles andere als laut. Am Gaumen rassig, frisch und klar, unten wie ein ein Schmusekater, sanft und weich. Ein Sauvignon Blanc der sich der Behutsamkeit verschreiben hat und jegliches Gebrüll vermeidet. Ein angenehmes Mundgefühl, das man gerne länger spüren will.

Sauvignon Blanc auf Zimmerlautstärke

Bekommt der gute Tropfen erst ein wenig Luft im Glas, macht sich auf der Zunge und an ihren Rändern eine wunderbar freche Salzigkeit bemerkbar. Das macht Spass und man nimmt gerne eine grösseren Schluck um dieses Gefühl so richtig auszukosten. Gleichzeitig merkt man wie der Wein gewissen Grip entwickelt und fast stoffig wird am Gaumen. Die Stachelbeere tritt ein wenig in den Hintergrund, lässt immer mehr der feinen Mineralik Vortritt und begleitet dieses Schauspiel nur mehr aus der zweiten Reihe. Jetzt wäre smoother Barjazz angesagt, so elegant und zurückhaltend agiert der Ehrenhausen im Mund. Weich, leise, zart salzig was für Pepp sorgt, und dazu in jeder Sekunde doch so typisch Sauvignon Blanc.

Insgesamt ist der Ehrenhausen ein ausgesprochen “ruhiger” Sauvignon Blanc der sich lieber zurückhält als unnötig Krach zu machen. Man schmeckt alles was lärmende Kollegen auch haben, nur legt der Ehrenhausen wesentlich mehr Wert auf Mineralität und Mundgefühl. Hier fehlt nichts, hier macht alles grossen Spass und man gönnt sich gern ein zweites und auch drittes Glas. Ein Tröpfchen das gekonnt die feine Klinge führt und zeigt, wie man Sauvignon Blanc auch interpretieren kann. Und wenn der Grip noch weiter zunimmt und das Salz das Zepter in der Hand behält, dann kommt man von diesem Kerl immer schwerer los. Ich gönn mir jetzt dann noch ein Gläschen und geniesse diesen Tropfen in vollen Zügen.

Tipp: Aufmachen und ab ins Glas damit. Verträgt ein, zwei Grad mehr als üblich (10-12º). Ist eine Bank zu frischen, knackigen Gemüsekreationen, zu Muscheln und Meeresgetier aller Art.

Verkostet wurde ein Ehrenhausen 2017 Muschelkalk vom Weingut Tement aus Berghausen in der Steiermark, Österreich. Bezugsquelle: Pinard de Picard, Saarwellingen.

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Kategorie: Pinard de Picard (D), Verkostet

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