Grüner Veltliner Ruine 2014 natural

| 1. Februar 2017 | 0 Kommentare Alles lesen

Ruine 2014 natural So ist das, wenn Salzburger beschliessen “in die Ferne” auszuwandern und sich im Kremstal einen Weingarten kaufen. Dann kommen dabei, wie in diesem Fall, sogar richtig schräge Sachen, pardon, Weine raus. Alexander Zöller heisst der “Abenteurer”, hat an der BOKU Landwirtschaft studiert und macht in der Zwischenzeit auch abenteuerlich aufregende Rebensäfte. Einen hatte ich bereits von ihm, seinen Müller-Thurgau Gärtling. Ein Traum von Müller-Thurgau übrigens. Heute steht sein Grüner Veltliner Ruine 2014 am Tisch der Wahrheit. Der ist nicht nur wie alles was vom Weingut Zöller stammt rein biologisch, er ist zudem auch noch unfiltriert und hat sich somit das Prädikat “Naturbursche” redlich verdient. Was diesem Tropfen mit absoluter Sicherheit ganz gut tun wird ist jede Menge Luft. Aus diesem Grund gebe ich ihm bewusst nicht allzu viel, um seine Entwicklung von Beginn an mitverfolgen zu können. Ein grosses Glas ist Pflicht für diesen Wein und darum greife ich mir den Burgunderkelch und schaue was sich in den nächsten Stunden tun wird.

Gruss von der Zimtschnecke

Dunkles, leicht trübes Gelb dreht im grossen Becher seine Kreise. Typisch unfiltriert. Untypisch hingegen ist der Duft des Ruine. So überhaupt nicht “veltlinerlike”. Dafür Bratapfel und Zimtschnecke in der Nase. Wunderbar anders, erfrischend ungewohnt. Etwas Brioche sorgt für leise Hintergrundmusik, die Hefe ist deutlich riechbar. Ein angenehmer, warmer wie auch weicher Duft der hier das Riechorgan bespielt. Wenn das im Mund so weitergeht, dann steht einem ganz grosser Spass bevor.

Ein echter Schmusetiger

Butterweich nimmt sich der Ruine der Zunge an. Es zeigt Fülle, ist dabei aber ausgesprochen leicht an Gewicht. Cremig pinselt er den Gaumen ein, lässt seinen weichen Saft spüren und fühlt sich rund und g´sund an. Eine höchst interessante Würze steht im Mund, man schmeckt wieder ein wenig Hefe und ist verzückt von dieser gar so weichen Essenz. Reifer Apfel taucht auf, erst nach und nach kommt eine frische Säureader aus dem cremigen Körper hervor gekrochen. Im Abgang wieder ein Hauch von Zimt, von Brioche und von gelber Würze. Dabei ist alles butterweich und anschmiegsam. Ein echter Schmusetiger ist der gute Tropfen.

Grüner Veltliner wirklich anders

Sein wahres Gesicht aber zeigt der Ruine erst an der Luft. Immer stärker entwickelt er Grip im Mund, sowohl auf der Zunge wie auch am Gaumen. Immer mehr legt er seinen anfangs cremigen Charakter ab und wird zum ungemein trockenen, dezent aufgerauten Tropfen der sich immer weiter in Richtung Bitter Lemon entwickelt. Schlehe kommt hinzu, es fühlt sich leicht im Mund an und was zuvor noch richtig rund und weich war ist griffig und straff geworden. Noch immer muss man dreimal raten was man denn wohl im Glas hat, weil mit der typischen Veltlinerwürze ist nichts, der Pfeffer ist nicht vorhanden. Dafür steht eine gelbe Würze elegant im Hintergrund und haucht dem Tropfen einen leicht dunklen Charakter ein. Phantastisch ist der ewig lange Nachhall der wieder den Bratapfel aus der Verseknung holt und ihn zu neuem Leben entfacht. Was für ein toller Wein.

Nach zwei Stunden steht ein Wein im Glas der es richtig in sich hat. Jetzt greift er, jetzt beisst er, jetzt ist er auf Betriebstemperatur. Cremig? Von wegen. Nix mehr da mit weich und kuschelig. Jetzt steht ein ausgewachsener Charakterkopf im Mund, erinnert an bestes Bitter Lemon und ist trocken wie ein Löschblatt. Wie hat sich der Ruine nur verwandelt. Und das in nur zwei Stunden. Nicht wieder zu erkennen ist er. Herb ist er geworden, fein und straff ebenso und an Gewicht hat er weiter abgenommen. Erst jetzt merkt man seine läppischen 11,5 Umdrehungen die zu Beginn nicht einmal erahnbar waren. Erst jetzt sorgt dieser Tropfen für allergrössten Trinkspass. Jetzt läuft er und ich weiss, dass dieser Flasche kein langes Leben mehr beschert sein wird. Grüner Veltliner mal wirklich anders. Was für eine Wohltat, was für ein Spass!

Tipp: Braucht eine Stunde um aufzutauen und geht dann richtig ab. Am besten mit 10-12º aus dem grossen Glas geniessen. Zu Backhendl, zur Presswurst oder einfach ohne alles weil er gar so gut schmeckt.

Wein & und Winzer-Info:

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Wein: Grüner Veltliner Ruine 2014
Winzer: Weingut Zöller
Rebsorte(n): Grüner Veltliner
Anbaugebiet: Kremstal, Niederösterreich
Anbau: Biologisch
Ausbau: Stahltank
Empfehlung: Serviertemperatur 10º, grosses Glas.
Verschluss: Naturkorken

Bezugsquelle: 225 Liter, München, Deutschland.

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Kategorie: 225 Liter (D), Verkostet

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