Magic Mountain 2013

| 4. April 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Heute steht die Erstbesteigung des magischen Berges in Rüdesheim am Programm. Allerdings ohne Kletterausrüstung. Alles was dazu benötigt wird ist ein frisch poliertes Glas. Vom Weingut Leitz aus Rüdesheim im Rheingau steht nämlich der Riesling Magic Mountain zur Verkostung am Tisch der Wahrheit und für diesen sollten weder Seil noch Karabiner nötig sein. Der Magic Mountain ist eine Riedencuvée aus den besten Lagen, welche aus jenen Teilen des Mostes stammt, die nicht mehr in die Fässer gepasst haben. So entstand quasi eine kleine Lagencuvée, welche bereits für reichlich Aufsehen gesorgt hat. Und deshalb kommt der Rüdesheimer Riesling jetzt ins Glas um festzustellen, was es mit dem magischen Berg im Rheingau wirklich auf sich hat.

Leitz Magic Mountain 2013 Insgesamt drei Etiketten kleben auf der dunklen Schlegelflasche. Auf dem obersten in weiss gehaltenen steht nur LEITZ Weingut in schwarz und Magic Mountain® in silber. Das mittlere Etikett zeigt auf grauem Untergund ein reduziertes Bild von Weinbergen und die hervorgehobenen silbernen Linien stellen scheinbar jene Lagen dar von denen der Magic Mountain stammt. Am Rand die Silhoutte einer Burgruine. Ganz unten noch ein schmaler blauer Steifen auf dem in weiss Rüdesheimer Riesling aufgedruckt ist. Am einteiligen, farblich ident gestalteten Rückenetikett dann alle Information die den Wein betreffen. Leichte 12,5% lassen das Weinherz schon vor dem Öffnen höher schlagen. Verschlossen ist die Flasche mit einer graublauen Halsmanschette mit dem aufgedruckten Logo des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter), dessen Mitglied das Weingut ist. Am Kopf das L für Leitz. Ohne weiteres Zuwarten wird der Wein von seinem Kork befreit und in das Glas verfrachtet.

Ringlotten, Pfirsiche und Ananas

In hellem gelb mit deutlichen grünen Reflexen steht der Magic Mountain im Glas. Viel Steinobst steht im Kelch und duftet kraftvoll aus ihm heraus. Äpfel, Pfirsiche und auch Ringlotten riecht man. Auch Marille ist dabei. Es fühlt sich üppig in der Nase an, aber nicht schwer. Reife Ananas gesellt sich zu der Runde die sich anschickt zu einem Treffen der internationalen Obstvereinigung zu werden. Im Hintergrund steht eine feste Würze die angenehme Wärme ausstrahlt. Ein sehr dichter Duft der da im Glas steht und füllig die Nasenflügel hochzieht.

Viel Rauch und nasse Mineralik

Kaum im Mund ist Schluss mit üppig-fruchtig. Da fliesst rauchige Mineralik über die Zunge und hüllt den Gaumen in fester Würze ein. An den Zungenrändern steht straffe Säure die den Speichelfluss augenblicklich anregt. Dabei fühlt sich der Wein alles andere als schlank an, zeigt wohlportionierten Hüftspeck der sich entsprechend weich und rund im Mund anfühlt. So weich der Magic Mountain auf der Zunge steht, so rasant treiben die salzige Mineralik wie auch die mehr als lustige Säure ihr neckisches Spiel. Am Gaumen hingegen dominiert ganz viel Rauch und nasser Stein. Man schmeckt und spürt den Wein in einem Atemzug. Im Abgang saftig, rund, weich, voll und fleischig. Im Nachhall Rauch und nasser Stein, mit den Resten von der Ananas. Am Ende sogar etwas herb hinter den Lippen und mit der nassen Mineralik allein gelassen.

Saftig, rauchig, ausdrucksstark

Es ist trocken im Mund, eindeutig. Und doch so extrem saftig, vielfruchtig und extraktreich. Doch kaum kaut man an den Mandarinen, der Ananas und den Pfirsichen ein wenig rum, steigt wieder dieser nasse Rauch am Gaumen auf und gebärdet sich als würde er um die Weltmeisterschaft im Rauchzeichen produzieren kämpfen. Je länger man dem lustigen Treiben auf der Zunge und am Gaumen staunend folgt, umso mehr kommen feine Zitrustöne hinzu und tun so als ob sie immer da gewesen wären. Jetzt noch ein guter Schuss Säure und fertig ist der straffe Streuner. Meiner Meinung nach gehört der Magic Mountain in die Karaffe, denn so wie er sich an der Luft entwickelt macht es richtig Spass nach einer Stunde einzusteigen und sich der ausgeprägten Mineralik hinzugeben. Viel Frucht ist da, ohne Zweifel. Doch überstrahlt das nasse, rauchige Gefühl im Mund so gut wie alles. Es scheint auch als würde sich der Magic Mountain von seinem Hüftspeck trennen und immer feiner werden.

Immer mehr verändert sich der Magic Mountain zu einem relativ ‘dunklen’ Gesellen. Sowohl was seine Frucht angeht wie auch seine Mineralik. Auf der Zunge steht er ausladend mit dezenter, in Saft gefasster Herbheit, am Gaumen meint man den ganzen nassen Schotter des letzten Regentages zu schmecken. Es dampft, man kennt dieses rauchig-staubige Gefühl wenn man den Dunst von nassen Steinen atmet. Der Magic Mountain ist nicht lieb und nett und glatt gebürstet. Vielmehr ist er charaktervoll, ausdrucksstark und mit reichlich Selbstbewusstsein ausgestattet. Komplex, dicht und dunkel. Mit reichlich Frucht, die aber niemals wirklich fruchtig wird. Dafür mit jeder Menge rauchig-nasser Mineralität die ihn zu einem richtigen Charakterkopf macht. Braucht Eingewöhnungszeit, lässt aber dann so gut wie keine Wünsche offen. Um knappe 15 Euro zu erstehen und jeden einzelnen davon auch wert.

Tipp: Ein bis zwei Stunden Luft sind empfehlenswert. Geniessen mit 10-12º Trinktemperatur. Rindfleisch mit Sauce, Süsswasserfisch und auch eine rustikale Jause begleitet er gekonnt. Als Solist ein Wein dem man Zeit geben muss, um seine Talente entfalten zu können.

Verkostet wurde ein Riesling Magic Mountain 2013 vom Weingut Leitz aus Rüdesheim im Rheingau, Deutschland. Bezugsquelle: Furore, München.

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Kategorie: Furore (D), Verkostet

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