Niepoort Secundum 2000

| 5. Februar 2020 | 0 Kommentare Alles lesen

Niepoort Secundum 2000 Wo beginnt man die Geschichte der Niepoorts, dem seit 1842 von der Familie geführtem Unternehmen, zu erzählen? Bei der Quinta de Nápoles, der Quinta de Carril, oder bei der Quinta de Baixo in der Region Bairrada? Bei der Quinta da Lomba im Dão, oder in der Minho-Region, wo man sich letztlich dem Vinho Verde zugewandt hat? Oder doch am besten in Vila Nova de Gaia, wo sich die zentralen Abteilungen des Unternehmens wie Verwaltung, Geschäftsleitung und Kommunikation befinden. Jenen Ort, an den Dirk Niepoort von seinen zahlreichen Geschäftsreisen und Weinverkostungen zurückkommt und innovative Ideen und neue Pläne mitbringt. Auf jeden Fall beginnt meine Reise mit einem Wein der Niepoort-Dynastie, der spannender nicht sein könnte ; mit dem Portwein Secundum Vintage 2000. Ein Vintage-Port, dessen einziges Ziel war, sofort zugänglich zu sein und trotzdem das Potential hat, sich über Jahrzehnte positiv zu entwickeln. Wie zugänglich der Secundum 2000 bereits ist, werde ich in den nächsten Stunden versuchen heraus zu finden.

Sinnlich-rauchiges Vergnügen

In imposantem dunkelviolett leuchtet der Secundum 2000 aus dem Glas heraus. Pflaumen melden sich als erste zu Wort, gefolgt von einer feinen Wolke heller Schokolade. Tabaknoten drängen sich nach vorne, um den Pflaumen einen subtilen rauchigen Touch zu verleihen. Gedörrte Aprikosen runden dieses traumhaft sinnliche Bukett gekonnt ab. Insgesamt ein feiner, ausgesprochen leichter und eleganter Duft der sich hier der Nase annimmt.

Von wegen süsser Saft

Oh ja, bitte mehr davon! Hier kommt alles andere als süsses Elixier im Mund an. Der Secundum 2000 zeigt sofort was Sache ist indem er sich mit einer vollen Ladung feinster Tannine auf der Zunge niederlässt. Die Frucht steht weit im Hintergrund, die Pflaume nimmt man wahr, doch kommt sie nur sehr langsam weiter auf ihrem Weg nach vorne. Dafür zeigt dieser Tropfen wie charaktervoll geht, wie sich Portwein auch im Mund anfühlen kann. Was für ein Vergnügen diesen vom Gefühl her richtig trockenen und doch so saftigen Kerl im Mund zu haben. Der Gaumen ist entzückt ob der Tanninstruktur und fordert permanent nach mehr. Was für ein Spass!

Ein richtig wilder Hund

Einfach grossartig dieses Mundgefühl. Frisch und kühl steht der Secundum 2000 auf der Zunge, alles andere als breit kommt er daher, von süssem Saft ist keine Rede. Vielmehr tänzelt dieser Port mit einer schlafwandlerischen Sicherheit über die Zungenmitte und versteht es, den Gaumen mit seinem äusserst feinen und doch sehr präsentem Gerbstoffkleid einzukleiden. Erst nach und nach beschäftigt man sich mit der einsamen Pflaume, die es sich zum Ziel gesetzt hat doch auch mitzumischen und wenigstens ein wenig ihrer entzückenden Fruchtigkeit zeigen zu dürfen. Ihr zur Seite stehen wieder heller Tabak und der feine Rauch im Hintergrund. Der Rest ist pures Mundgefühl, die reine Haptik welcher man sich nicht entziehen kann.

Definitiv kein Charmeur ist der Secundum 2000 aktuell. Mag er auch gar nicht sein. Ich würde ihn sogar als aufsässigen, aber durchaus symphatischen Rabauken bezeichnen ob seines kernigen Tannins, das wiederum auf eine enorme Lager- und Entwicklungsfähigkeit hindeutet. Andererseits trinkt sich der Tropfen jetzt schon derartig gut, dass man geneigt ist, sich doch die eine oder andere Flasche dieses “wilden Hundes” zwischendurch zu gönnen und sich das eine oder andere Mal an seiner rustikalen Art zu erfreuen. Denn eines hat der Kerl jetzt schon: einen unheimlichen Zug im Mund gepaart mit einem enormen Trinkfluss. Deshalb gilt die Devise: Bunkern, und hin und wieder eine Flasche aus dem Keller holen, zwecks Befriedigung der Neugier. Und natürlich des Genusses.

Tipp: Am besten mit frischen 10-12º getrunken. Zu Stilton oder anderen Käsesorten mit Blauschimmel. Passt ebenso zu Desserts auf Eierbasis wie dem “Pão de Ló”.

Verkostet wurde ein Niepoort Secundum 2000 von Niepoort aus Vila Nova de Gaia, Portugal. Bezugsquelle: Kracher Fine Wine Shop, Illmitz.

Stichwörter: , , , , , , ,

Kategorie: Kracher (A), Verkostet

Ihr Kommentar