RAMI IGT 2010

| 15. Juni 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Als letzten Wein aus dem Sortiment der Azienda Agricola COS aus Ragusa, Sizilien, stellen wir heute die Cuvée RAMI, Jahrgang 2009 vor. Dieser Wein ist zu jeweils 50% aus den Rebsorten Inzolia (welche eigentlich Ansonica heisst) und Grecanico gekeltert. Ein weiteres Weinoriginal Siziliens, welches den persönlichen Weinhorizont auf spielerische Weise erweitert und ein aufregendes Weinerlebnis garantiert. Nach unserem Abenteuer mit dem Amphorenwein Pithos bianco waren sehr sehr gespannt, ob der RAMI auch ein unvergessliches werden würde, oder es sogar noch toppen konnte.

Dicht geduckt und bullig wie alle anderen steht die spezielle COS-Flasche mit ihrem geschichtlichen Hintergrund auf dem Tisch. Das Etikett im klassischen Stil, nur diesmal nicht in weiss sondern in einem hellen creme. Der Name COS in orange aufgebracht damit die Sache noch mehr Pepp bekommt und der Rest wie bei allen anderen Etiketten in typisch italienischem Design. Obligate Schreibschrift-Typo, im Hintergrund die architektonische Silhouette einer Kirche und natürlich alles andere was unbedingt drauf sein muss und soll.

Auch den RAMI lassen wir für eine Stunde atmen und staunen wie schon beim Pithos bianco über seine tiefgoldene Farbe. Die Vorfreude ist entsprechend gross und nach einer Stunde darf der ‘Goldjunge’ ins Glas.

Völlig neue Dufterfahrung

Mit Spannung kommt der letzte Wein von COS, der RAMI, dann ins Glas. Wie schon der Pithos bianco leuchtet auch dieser Wein in verboten schönem Gold. Dicht und fett schmiegt sich ein Film an der Innenwand des Glases an und gleitet langsam ab. Was sofort auffällt ist, dass der RAMI ‘verhaltener’ in der Nase ist als der Pithos bianco. Er riecht nussig, aromatisch und nach reifen Orangenschalen. Saftig möchte man sagen, dicht und reif. Diese Farbe! Sieht alt aus, ist aber jung und duftet, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Im Grunde genommen schon wie beim Pithos bianco; es gibt kein wenn und aber. Nur ein ja oder nein zu diesem Bukett. So würzig und trotzdem so frisch, eigenwillig, auf jeden Fall, und herrlich anders. Verabschieden Sie sich von den ‘Gerüchen’ die sie kennen. Was hier aus dem Glas dampft ist so eigenwillig wie ein Werk von Jackson Pollock.

Nussig, salzig und staubtrocken

Mittlerweile steht der RAMI seit 90 Minuten am Tisch und er wurde noch nicht angetrunken. Ich rieche einfach permanent daran und bin von seiner goldenen Farbe hingerissen. Aber dann muss sein was sein muss und was sich da im Mund abspielt ist wieder ganz grosses Kino. Hätte man ob seiner Farbe und Dichte im Glas einen schweren Wein erwartet, der einen mit Fülle in die Knie zwingt, zeigt sich der RAMI erstaunlich leicht, sehr trocken, fein und schwebend. Etwas nussig im Geschmack, durchaus angenehm, sehr moderat in der Säure und leicht salzig auf der Zungenspitze. Eigenwillig, individuell, verführerisch.

Da ist nichts Fettes, nicht Schweres oder gar von Frucht Überladenes, der RAMI ist ein Leichtgewicht mit Kraft und Charakter. Die Power nimmt er von den reifen Zitrusfrüchten, seine Textur vom langen Kontakt auf der Schale und seiner warmen (26º) Fermentation in der Tonamphore. Bei all dem schafft es der RAMI aber erstaunlich leichtfüssig und feingliedrig zu bleiben. Was fasziniert ist seine Trockenheit. Mehr geht fast nicht und genau diese Trockenheit lässt den Aromen ihren Spielraum um sich voll entfalten zu können.

Gemeingefährlich gut

Der RAMI wird mit jedem Schluck besser, er wird weicher, noch gefälliger und verzaubert mit seiner kühlen und frischen Mineralität. Man kann ihn fast als knackig frisch bezeichnen, obwohl er sich Säureseitig äusserst bescheiden verhält. Das macht ihn wieder so rund und weich und beschert ein ganz spezielles Trinkerlebnis. Man spürt fast wie der Wein am Gaumen verdampft, er zieht nur einen leichten Hauch darüber und verabschiedet sich in einem hocharomatischen, feinwürzigen und saftigen Abgang. Zurück bleibt eine Spur von Nuss am Gaumen, eingebettet in einen ‘Schuss’ süsser Würze. Der RAMI ist gefährlich gut, gemeingefährlich gut. Trinkspass der die Zunge und den Gaumen verwöhnt, beide jauchzen lässt ob seiner unverfrorenen Direktheit und der irgendwie an erfrischenden, weichen und cremigen Lippenbalsam erinnert.

12% hat der ‘Sizilianer’ und das macht ihn noch sympathischer. Der Tropfen trinkt sich weg wie von alleine, man kann nicht genug von ihm bekommen und man geniesst diesen ‘anderen’ Geschmack mit jedem Schluck. Ein Wein der im Sommer locker die Klimaanlage ersetzt und einen heissen Tag auf der Terrasse erträglich werden lässt. Kühl, frisch, aromatisch und erfrischend ist er, der RAMI. Man muss ihn nur an sich ‘ran lassen’, sich einer anderen Weinstilistik öffnen und unvoreingenommen trinken. Den Rest besorgt der Wein von selbst. Lassen Sie sich vom RAMI verzaubern, investieren Sie um die 15 Euro für diese Weinpersönlichkeit und seien Sie sich sicher; Sie werden den den ‘Sizilianer’ nicht mehr missen wollen. Ich will auf jeden Fall noch sehr viel mehr davon.

Tipp: 60 Minuten belüften, entwickelt sich an der Luft ständig weiter. Bei 12-14º servieren. Im Sommer durchaus 1-2º kühler. Mediterrane Küche dazu auftischen oder einfach solo als ‘Erfrischung’ geniessen. ACHTUNG Suchtgefahr!

Verkostet wurde ein Rami IGT 2010 von der Azienda Agricola COS aus Vittoria in der Region Ragusa, Sizilien. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein von VIP-Weine aus Köln.

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Kategorie: Az. Agricola COS (I), Verkostet

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