Schilcher 2011

| 24. Juni 2013 | 0 Kommentare Alles lesen

Wie schon beim ersten Wein dieser Verkostungsrunde ist auch dieser hier der Letzte den wir von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier verkosten. Wir haben uns diesen Tropfen bewusst bis zum Schluss aufgehoben und werden heute mit dem besten Sommerwetter belohnt, das man sich dafür wünschen kann. Bei 35º im Schatten machen wir heute gut gekühlt den Schilcher 2011 auf, einen Wein den man entweder mag oder ablehnt. Hergestellt aus der Rebsorte Blauer Wildbacher blickt der Schilcherwein auf eine lange Geschichte zurück. Papst Pius VI. meinte dazu verächtlich: “Sie haben Uns einen rosaroten Essig vorgesetzt, den sie Schilcher nannten.” Darum auch der Hinweis ‘mag man oder mag man nicht’. Wenngleich heutiger Schilcher garantiert nicht mehr viel mit dem zu tun hat was man 1782 aus ihm machte. Wir freuen uns auf diesen Wein, weil wir ‘guten’ Schilcher mögen und was wir bis jetzt von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier kennengelernt haben, hat uns vollständig überzeugt.

schilcher Wie bereits gewohnt klebt auch auf der Flasche mit dem Schilcher drin das gestanzte runde Etikett mit angestaubter Papyrus-Typo drauf. Schilcher in der Mitte und davor der Energiekreis in rot aufgedruckt. Wichtig auch hier wieder der Hinweis ‘aus biologischer Landwirtschaft’ mit der BIO-Nummer. Unten wieder der Erzeugerhinweis. Was auffällt ist, dass der Schilcher der erste Wein ist, der kein Papierhäubchen mit den üblichen Weininformationen über den Flaschenhals gebunden hat. Mit einem Schrauber steht er da und wartet darauf aufgemacht zu werden.

Am Rückenetikett steht alles drauf was drauf stehen muss und ganz erfreulich ist der Hinweis auf die läppischen 11,5% vol. die man erwarten darf. Da kommt Freude auf, denn angesichts der Temperaturen ist das sicher ein nicht zu unterschätzender Faktor. Weniger ist einfach meistens mehr. Eine Karaffe braucht der lustige Tropfen sicher nicht weshalb er humorlos von seinem Schraubverschluss befreit und in die Gläser eingeschenkt wird.

Ribiseln & Stachelbeeren

In saftigem erdbeerrot steht der Schilcher im Glas und leuchtet in seiner ganzen Pracht heraus. Im Kern ins Orange gehend. Ein ungewohnter Duft steigt einem sofort die Nasenflügel hoch. Ungewohnt, weil ‘herkömmliche’ Rosés nicht nach Ribiseln und Stachelbeeren mit dahinterstehender Kräuterwürze mit einem Schuss Mandelaroma duften. Für mich persönlich hat diese Kombination sogar etwas ganz leicht Morbides an sich. Trotzdem versprüht der Wein expressive Frische und Saftigkeit, wirkt lebhaft in der Nase und schleppt auch ein wenig rosa Grapefruit mit. Ungewohnt auf den ersten Riecher, aber Spass machend wenn man sich einmal daran gewöhnt hat.

Rassig & Furztrocken

Mit ausgeprägter Rasse und Lebhaftigkleit kommt der Schilcher in den Mund. Auf der Zunge nimmt man ihn relativ weich wahr und obwohl er mit sehr lebendiger, agiler Säure daherkommt, fühlt sich alles rund an. Trotzdem sorgt der Schilcher für frisches Vergnügen im Mund, man schmeckt wie fruchtbetont er ist und wie pulsierend er sich seinen Weg über den Gaumen bahnt. Im Hintergrund, versteckt hinter der frechen Säurespur, der Mandelton der schon in der Nase wahrnehmbar war. Erst jetzt fällt auf wie furztrocken der Tropfen ist. Da lädt er seine saftige Frucht in lebensfroher Säure auf der Zunge ab, zieht mit einem feinst herben Schleier über den Gaumen… und ist einfach weg. Verdunstet, im Mund, während des Trinkens. Was bleibt ist ein würzig-fruchtiger Nachhall und die Erkenntnis, dass der Wein viel zu schnell warm geworden sein muss. Die ideale Trinktemperatur spielt bei diesem lustigen Tropfen eine wesentliche Rolle.

Lebhaft, ungewohnt, erfrischend

Das Interessante an diesem Wein ist nicht nur seine erfrischende Lebhaftigkeit, sondern der Umstand, dass man ihn mit seiner Mandelnote am hinteren Gaumen spürt als würde man diese einatmen. Erst dann kommt Frucht, Säure, Würze ins Spiel. Ganz hinten macht er Druck und deutlich, dass er kein ‘gewöhnlicher’ Rosé ist. Dafür sorgt die Rebsorte Blauer Wildbacher, die mit keiner anderen vergleichbar ist. Der Wein fühlt sich rund an, weich und ist trotzdem ein richtig lustiger und fröhlich frischer Spassmacher. Man schmeckt die roten Ribiseln sehr schön heraus, man schmeckt auch rosa Grapefruit welche für diese fein nuancierte Zitrusnote sorgt und man spürt das Mandelaroma am hinteren Gaumen. Irgendwie passt das nicht zusammen und gerade das ist es was diesen Schilcher so spannend macht.

Was auffällt ist, dass wenn der Wein etwas wärmer wird (~11º) seine Frucht verstärkt zum Vorschein kommt. Er wird einerseits saftiger, fruchtbetonter und noch süffiger. Wer aber die totale Erfrischung will der sollte ihn nicht so ‘warm’ werden lassen. Obwohl, er fühlt sich noch runder an im Mund, ist weich auf der Zunge und haftet unendlich lange am Gaumen. Man kann sich aussuchen was man lieber mag. Kalt (8-max.10º) genossen lebt er von seinem erfrischenden und lebendigen Säurespiel und seiner mehr als unkonventionellen Art. Da pulsiert er im Mund, da macht er seine Spässchen, neckt die Zunge, streichelt den Gaumen und sorgt mit seiner rassigen Persönlichkeit für richtig Kirtag im Mund. Ich persönlich mag beide ‘Gesichter’ des Schilcher und neben meiner grossen Liebe zu den kräuterwürzigen Rosés der Provence, steht dieser dank seiner Eigenständigkeit ganz dicht daneben.

Tipp: Aufmachen und geniessen. 8-10º sind die perfekte Trinktemperatur. Passt zu allem was kalt und rustikal auf das Holzbrett kommt. Auch zu Tomatengerichten! Solo einfach ein Spassmacher auf allerhöchstem Niveau. Kaufempfehlung für Schilcher-Fans.

Verkostet wurde ein Schilcher 2011 von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier aus St. Stefan o. Stainz in der Steiermark, Österreich. Die Wein & Sektmanufaktur Strohmeier ist Mitglied der Wertegemeinschaft Schmecke das Leben.

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Kategorie: Schmecke das Leben (A), Verkostet

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