Blaufränkisch Leithaberg DAC 2012

| 31. Oktober 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Wenn einer Kellermeister bei Gernot Heinrich ist und ein anderer bei Rosi Schuster werkt, dann kann das was man selbst als quasi “Nebenerwerbswinzer” in die Flaschen zaubert, keinsfalls was Schlechtes sein. Und so bewirtschaften Martin Lichtenberger & Adriana González in Breitenbrunn im Burgenland ihre eigenen 4 Hektar und produzieren dort ein paar brillante Weine für das Volk. Was der Markt “will” ist ihnen egal, sie stellen Weine nach ihrer Überzeugung her und dass es davon nicht unendlich viele Flaschen gibt, ist logisch. Eine steht heute hier am Tisch der Wahrheit, ein Blaufränkisch, was sonst? Der Leithaberg DAC 2012, gewachsen auf Kalk und Schieferböden, spontan vergoren und im gebrauchten Barrique ausgebaut. Ich bin bereits gespannt auf diesen unter Weinfreunden nach wie vor als Insiderwein gehandelten Tropfen.

L&G Leithaberg DAC rot 2012 Völlig ausserhalb jeglicher Norm präsentiert sich die wohl ungewöhnlichste Flaschenbeklebung die ich bis jetzt gesehen habe. Drei kleine Sticker (wie jene die im amtlichen Postverkehr benutzt werden) zieren das Gebinde. Der gezackte weisse Sticker ist mit Leithaberg DAC 2012 und der Nummer der Flasche, in diesem Fall 0944/2150 bedruckt und handsigniert. Der rote und der blaue Sticker jeweils mit dem Namen der beiden Winzer, Lichtenberger und Gonzalez. Irgendwie sieht die Flasche wie eine Postwurfsendung bzw. ein Einschreibbrief aus und hat schon deshalb hohen Wiedererkennungswert. Das kleine, ebenso einem Sticker ähnliche Rückenetikett informiert ein wenig über die Philosophie hinter dem Wein und das war´s dann auch schon wieder. Bevor der Leithaberg DAC rot 2012, so die vollständige Bezeichnung, ins Glas kommt, wandert er für eine Stunde in die grosse Karaffe.

Nelke, Zimt & Schwarzer Tee

Tiefdunkelrot steht der Leithaberg im Becher und leuchtet wie ein Rubin. Der Duft recht ungewöhnlich, ungewohnt. Schwarzer Tee mit dunkelroter Beerenfrucht strömt aus dem Glas die Nase hoch. Irgendwie sogar etwas weihnachtlich angehaucht. Etwas Nelke, ein wenig Zimt, Vanille und auch ein paar vertreute Kräuter. Untypisch Blaufränkisch, viel Himbeere, etwas Kirsche, viel Holz, leicht mollig in der Wahrnehmung. Bin gespannt wie sich der Wein im Mund macht, ob er da auch so weich und mollig ist.

Einfach traumhaft

Und dann die Überraschung. Völlig konträr zu dem was in der Nase stattgefunden hat. Da steht plötzlich ein Wein mit rotzfrecher Säure auf der Zunge und wirft mit Frische nur so um sich. Extrem kalkig fühlt sich der Leithaberg an, kühl, fast rassig. Es ist leicht nervig was auf der Zunge abgeht, da ist Leben drauf, rote Beeren, etwas Zwetschke, viel Tannin das aber wunderbar fein ist. Frische Säure, aufgeraute Struktur, Puls und eine beeindruckend schlanke Figur sorgen für Staunen. So gut wie kein Gewicht im Mund, dafür aber mächtig Charakter. Am Gaumen würzig, dezent rauchig und herrlich erdig. Umweht von dunkelroter Beerenfrucht. Der Abgang schlank, lang und frisch. Traumhaft.

Purer Übermut im Mund

Wer seine Nase tief ins Glas steckt und förmlich in der Vanille stecken bleibt, der wird sich wundern, wie so gut wie nichts davon im Mund zu spüren ist. Da treibt der Leithaberg ein Spiel, das äusserst fein und lebhaft ist. Saftig steht er auf der Zunge und bahnt sich seinen Weg durch ihre Mitte. Niemals breit, zielstrebig und ungemein mineralisch. Man schmeckt und spürt den Kalk, man fühlt die kühle Frische die dem Schotter zu verdanken ist. Und man klatscht sich in die Hände weil soviel lustige Säure in diesem Wein für soviel unbeschwertes Trinkvergnügen sorgt. Purer Übermut im Mund, am Gaumen erdig, etwas Laub, viel Herbst und trocken wie ein Staubtuch. Im Abgang schmeckt man wieder reife Waldbeeren, Zwetschken und den schwarzen Tee, der schon die Nase leicht verwirrt hat.

Beeindruckend ist das Gerbstoffkleid des Leithaberg. Reif und fein wie Flugsand legt es sich am Gaumen an. In Verbindung mit der lebhaften Säure eine Kombination die für ein traumhaft kühles wie frisches Mundgefühl sorgt. Erst jetzt taucht ganz weit hinten ein ganz zarter Tick von Holz auf, welches es geschafft hat sich unter dem Berg von Erde und Gestein ein wenig freizuschaufeln. Doch kaum an der Oberfläche wird es von der Säure überrollt, die eindeutig das Kommando hat im Becher. Was bleibt ist der zarte Hauch von Weihnachten im Hintergrund. Die versteckte Nelke und die Prise Zimt weisen darauf hin, und die roten dunklen Beeren färben alles fruchtig ein. Der Leithaberg von Lichtenberger & Gonzalez ist ein ganz sympathischer. Viel Frucht, sehr viel Boden, ganz viel Leben und eine Leichtigkeit im Sein, die äusserst rar geworden ist. Blaufränkisch zum lieb haben.

Tipp: 60 Miinuten in der Karaffe sind fein. Am besten um die 16º geniessen. Zu Lamm und Rind perfekt, den Vogel schiesst er aber zur scharfen Pasta mit Kirschpepperoni ab. Drückt die Schärfe locker weg und schmeckt dabei wie reifer Sangiovese. Als Solist ein Blaufränkisch allerfeinster Qualität.

Verkostet wurde ein Blaufränkisch Leithaberg DAC 2012 vom Weingut Lichtenberger & Gonzalez aus Breitenbrunn im Burgenland, Österreich. Bezugsquelle: weinfurore, München.

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Kategorie: rotWEISSrot (D), Verkostet

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