Dorflagen 2014 Gemischter Satz

| 30. Oktober 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Wieder mal im Weinviertel unterwegs und durstig? Bei Ingrid Groiss aus Breitenwaida soll es da angeblich ideale Schlundbefeuchter geben. Die Weingärten von Ingrid Groiss befinden sich nämlich dort im Pulkautal in Haugsdorf sowie in Fahndorf und ihr Gemischter Satz Dorflagen kommt von Einzellagen ihrer Heimatgemeinde. Und der hat es in sich, besteht er immerhin aus den Rebsorten Chardonnay, Müller-Thurgau, Welschriesling, Grüner Veltliner, Riesling, Grauburgunder, Pinot Blanc, Frühroter Veltliner, Neuburger, Zierfandler, Rotgipfler, Sämling, Roter Veltliner, Grauer Vöslauer, Hietl Rote, Weiße Vöslauer und Silberweiße. Mehr wächst dort wohl nicht. Auf jeden Fall habe ich diese Mischung die sich Dorflagen nennt heute am Tisch der Wahrheit stehen und werde jetzt mal schauen, wie sich dieser rebsortentechnische Massenauflauf im Glas verhält.

Gemischter Satz Dorflagen Ungewöhnlich wie auch selten ist die Farbe des Etiketts das diese Flasche ziert. Es ist dunkelbraun. In einem Stück, eher schmal gehalten, ist es in weiss bedruckt. Oben die Initialen IJ und G, dazwischen ein Geflecht über welchem ein Hase sitzt. In der Mitte in Grossbuchstaben GROISS und unten nur GEMISCHTER SATZ Dorflagen. Fertig ist die Frontansicht. Am linken Rand eine Illustration eines Hasen, konkret eines Weingarten-Hasen (L. Viniferaeus), der für Ingrid Groiss Teil ihrer Philosophie ist wenn es um fruchtbare und nachhaltige Weingartenbewirtschaftung geht. Am rechten äusseren Rand dann alles was gesetzlich vorgeschrieben ist. Leichte 12,5% machen augenblicklich Lust auf mehr. Stimmig abgerundet wird das dunkle aber durchaus elegante Erscheinungsbild von einem goldenen Stelvin-Schraubverschluss. Bevor der Gemischte Satz Dorflagen 2014 aber angetrunken wird, kommt er für dreissig Minuten zur Luftaufnahme in die Karaffe.

Floral & Mineralisch

In sehr hellem strohgelb steht der Wein im Glas. Überraschend verhalten ist der Duft. Pfirsich, etwas Apfel und weisse Blüten fallen an erster Stelle auf. Dann ein wenig frische Wiese, Quitte und gelbe Zwetschken. Obwohl reichlich Frucht vorhanden, ist es nicht unbedingt ein fruchtiger Duft. Vielmehr zieht eine feine Kräuterwürze die Nasenflügel hoch, nur begleitet vom Steinobst, sonst mehr floral und mineralisch. Leise, vollkommen unaufdringlich und wohltuend.

Knackig, frisch & frech

Wein, der – lange hatte ich sowas nicht mehr – am Ende wieder weinig schmeckt. Zuerst strömt ein weicher Film auf die Zunge, es fühlt sich rund und mollig an und löst sich dann erfrischend leicht und fruchtig auf. Doch ist das längst nicht alles, denn eine lebendige und resche Säure sorgt für richtig Spass im Mund. Da ist wieder der Pfirsich, doch steht ihm ein knackig frischer grüner Apfel zur Seite der für Zirkus zwischen den Kauwerkzeugen sorgt. Mineralisch an den Zungenrändern, fein zitrusfruchtig, auch leicht salzig. Und dann, wenn man sich willig mit dem GS Dorflagen angefreundet hat, kommt dieser weinige Abgang. Zuerst zieht dieser Geschmack über den Gaumen und bleibt danach noch gut erhalten. Übrig bleibt man dank knackig frischer Zitrus- und Apfelnoten mit einem leicht verzückten Grinsen im Gesicht.

Universaltalent für jeden Anlass

Nimmt der Gemischte Satz Dorflagen Luft auf, wird er im Mundgefühl trockener und auch griffiger. Obwohl mit reichlich Restzucker gesegnet, wird dieser von einer ebenso resoluten Säure wunderbar gepuffert und lässt alles harmonisch und ausgeglichen erscheinen. Man schmeckt einerseits sehr schön die reife Frucht und spürt den runden Körper, doch steht dem eine frische Mineralik gegenüber die alles wieder ausgleicht. Tolle Frucht, frisches wie auch keckes Säurespiel, Grip am Gaumen, weisse, leicht florale Herbheit im Abgang und Zitrusfrische im Nachhall, es ist alles das was einen glücklich macht. Für Bonuspunkte sorgt eindeutig die freche grüne Apfelnote die so herrlich “sauer” ist und den Rest vom Fruchtkonzert energisch anführt.

Ein Spasswein. Das ist er, der Gemischte Satz Dorflagen von Ingrid Groiss. Problemlos, unkompliziert, einfach und doch vielschichtig. Frisch, frech, knackig und mit jener Rundheit ausgestattet, die ihm auch ein wenig Fülle mitgibt. Siebzehn Rebsorten wurden verarbeitet, nur ein paar davon sind erkennbar. Riesling und Grüner Veltliner am ehesten, vielleicht auch noch der Müller-Thurgau wegen einer feinen Aromatik im Hintergrund. Für den Rest könnte man ebenso ein Ratespiel veranstalten, was aber irrelevant ist weil es einfach Spass macht sich mit dem GS Dorflagen zu vergnügen. Etwas blumig, zart kräuterwürzig, herrlich mineralisch und angenehm fruchtig ist er, und nur das zählt. Spasswein, Saufwein, Brot & Butterwein für alle Tage. Ein richtiges Universaltalent für jeden Anlass. Nicht fragen, einfach trinken. Und zwar reichlich, weil man es kann und keine Spätfolgen befürchten muss. Ich will jedenfalls noch mehr davon. Mal schauen ob der Osterhase da was machen kann.

Tipp: 30 Minuten Luft sind fein. Mit 10-12º geniessen. Zu Wiener Küche, egal ob gebraten oder gebacken, der macht alles mit. Zur Alleinbespassung ein Universaltalent das einfach für unkomplizierten Genuss sorgt.

Verkostet wurde ein Dorflagen 2014 Gemischter Satz vom Weingut Ingrid Groiss aus Breitenwaida im Weinviertel, Österreich.

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Kategorie: Ingrid Groiss (A), Verkostet

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