Gemischter Satz Blanc de Noir SAND 1

| 1. September 2015 | 0 Kommentare Alles lesen

Heute wird die zweite Verkostungsrunde von Toni Zöhrers Weinen aus seiner SAND 1-Kollektion eingeläutet. Den Anfang macht dabei ein Original Kremser Gemischter Satz Blanc de Noir 2014. Kein Wunder, dass sich Nichtösterreicher unsere knappen Weinbezeichnungen einfach nicht merken. Blanc de Noirs ist nichts anderes als die französische Bezeichnung für einen aus Rotweinsorten gekelterten weißen Wein. Toni Zöhrers “Weisser von den Schwarzen”, so heisst das wörtlich übersetzt, ist einer aus Pinot Noir und Sankt Laurent und wurde im Stahltank ausgebaut. Die Reben stehen auf Urgestein und Löss und heute steht die flüssige Ausgabe davon hier am Tisch der Wahrheit. Bin schon gespannt auf diesen Tarnkappenbomber, der sich anders nennt nur um nicht aufzufallen. Die ersten beiden Weine haben grossen Spass gemacht, drum bin ich sicher, dass dieser ebenso für Stimmung sorgen wird.

Blanc de Noirs Nichts Neues aus der Designwerkstatt gibt es etikettentechnisch zu verkünden. Alles bis auf die Nennung des Inhalts ist bis zum letzten Strich gleich geblieben. In der Mitte wie gewohnt gross in Outline-Typo SAND 1 und unterhalb ORIGINAL KREMSER GEMISCHTER SATZ BLANC DE NOIR in rot. Im unteren Teil wieder das goldene Wappen mit der Jahreszahl 1270. Links aussen das Siegel mit einem Doppeladler. Original Kremserwein steht ausserhalb. Rechts aussen, wieder in gold die Signatur von Anton Zöhrer und darunter Lehnherr von Krems/Weinzierl. Über dem Etikett noch das kleine Siegel mit 35 Jahre SAND 1, was auf das Alter der Hausnummer hinweist. Das Rückenetikett mit dem Gehöft der Zöhrers unterlegt. Oben die Weinbezeichnung, in der Mitte eine kurze Beschreibung und unten dann noch alles was unbedingt angeführt sein muss. Der Schraubverschluss ist mit dem Logo und dem Aufdruck ZÖHRER Krems Austria versehen. Und bevor der Wein hier noch verdunstet wird er jetzt ohne weitere “Vorbehandlung” einfach angetrunken. Die Neugier ruft.

Ogrosln & Ribiseln

Hell wie ein kleiner Albinobär steht der alles andere als “noir” aussehende Gemischte Satz Blanc de Noir im Glas. Ein ultrazarter rosa Schimmer sorgt für Farbe. Sofort erinnere ich mich an Ogrosln, so heissen die Stachelbeeren im Wienerischen. Was überrascht ist der Umstand, dass diese nicht einfach wild in die Nase hüpfen, sondern ganz weich hoch strömen. Umzingelt werden sie von blumigen Noten, ein paar verirrten Erdbeeren und ein paar hinzu gekommenen Ribiseln. Zart fruchtig, relativ blumig, verführerisch. So lässt sich der Duft am besten beschreiben.

Saftig, blumig & pulsierend

Man trinkt weiss und schmeckt doch irgendwie ein wenig rot. Immer wieder ein eigenartiges Gefühl. Ribiseln führen das Regiment an und eine fein prickelnde Säure haucht dem Blanc de Noir Puls ein. Auf der Zunge saftig, etwas blumig und rotfruchtig, am Gaumen frisch, mild und weich und mit einer deutlich erkennbaren erdigen Note. Der Wein fühlt sich ungemein mild im Mund an, fast cremig, ist aber dank der lustigen Säureader höchst animierend unterwegs. Frische gelbe Äpfel tauchen auf und “safteln” vor sich hin. So fruchtig der erste Eindruck ist, so zart herb wird es am Schluss am Gaumen. Erdig trifft es wohl am besten. Im Abgang blumig, fein und lang anhaltend.

Charmeur mit Temperament

Bekommt der Blanc de Noir etwas Luft wird er ein richtig griffiger Geselle. Alles andere als ein banales Fruchtwässerchen tanzt da auf der Zunge und am Gaumen fröhlich durch die Gegend. Man hat das Gefühl, dass der Wein ein wenig prickelt, doch ist es wohl sein knackiger Charakter der für diese Sinnestäuschung sorgt. Weich ist er, der Blanc de Noir und trotzdem sehr lebendig. Kaut man am Anfang etwas auf einem reifen Apfel, so weht am Gaumen eine feine Erdwolke vorüber und sorgt für Haftung. Kurz bevor die Frucht als Siegerin durchs Ziel läuft ist sie da, die Erde, und hält sie fest um dann gleichauf mit ihr den Pokal zu stemmen. Im Abgang geht sie dann in Führung und sorgt für ein sogar leicht würziges Finale. Übrig bleibt ein letzter Rest von frischer Säure auf der Zunge und ein herber Film am Gaumen. Der Nachhall mehr fruchtig denn würzig, aber immer schön mit Erde voll gepackt.

Was fällt mir ein zu diesem “Weissen von den Schwarzen”? Charmant. Ich glaube charmant ist das perfekte Wort für diesen Wein. Prickelnd, lebendig, fruchtig und doch mit jener herben Eleganz versehen, die ihn zu einem animierenden wie auch verführerischen Tropfen machen. Nicht zuletzt der Umstand, dass man, wie eingangs schon erwähnt, weiss trinkt, doch eher rot schmeckt und spürt. Dazu das erfrischende Temperament der Säure und fertig ist ein Wein, der sich den Begriff Charmeur verdient hat. Ich nuckle jetzt ganz einfach weiter daran rum weil er mir gar so Spass macht und ich diese Kombination von Geschmack und Gefühl noch eine Weile schmecken/spüren will. Der Blanc de Noir, ein lebenslustiger Geselle den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Tipp: Schrauber runter und mit 8 bis 10º als Aperitif geniessen. Oder zu Salaten, Fisch, Muscheln und Meeresfrüchten. Oder überhaupt gleich ohne alles. Macht Spass, zischt und bringt Prickeln ins Leben.

Verkostet wurde ein Gemischter Satz Blanc de Noir 2014 SAND 1 aus der SAND 1-Kollektion vom Weingut Zöhrer aus Krems, Österreich. Bezugsquellen: Österreich: Vinoble, Deutschland: Weinhandel Wenzke, Schweiz: Wein Schröter

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Kategorie: Verkostet, Zöhrer (A)

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