Outis Etna D.O.C. Bianco 2009

| 25. September 2013 | 0 Kommentare Alles lesen

Für den zweiten Wein aus unserer Verkostungsrunde zum Thema Total regional geht die Reise von Österreich ganz weit hinunter in den Süden. Und zwar nach Trecastagni bei Catania auf Sizilien, auf das Weingut von Ciro Biondi. Von ihm haben wir einen Outis Etna Bianco 2009 am Tisch der Wahrheit stehen, eine Cuvée aus autochthonen Rebsorten. Die Rebstöcke für diesen Wein stehen auf Terrassenanlagen und steilen Hängen mit schwarzen Lavaböden, die Trauben werden handgelesen. Ciro Biondis Betrieb ist zwar nicht zertifiziert, arbeitet aber von Beginn an nach biologischen und biodynamischen Grundsätzen und hat bis heute weder synthetisch gespritzt oder gedüngt. Der Wein selbst besteht aus den Rebsorten Carricante, Catarratto, Mannella, Muscatella und Bianco di Candia. Bis auf Carricante und Muscatella also nichts was man unbedingt kennt in unseren Breiten. Umso neugieriger sind wir auf das was aus der Flasche kommt.

Outis Nessuno 2009 Auf der dunkelgrünen Bordeauxflasche klebt ein hohes weisses Etikett, das ziemlich einfach und unaufgeregt gestaltet ist. Nach dem Motto ‘weniger ist mehr’ steht ganz oben in rot nur ETNA D.O.C. BIANCO drauf und in der Mitte ist in schwarz OUTIS eingedruckt. Unterhalb in roter Klammer steht Nessuno und am unteren Rand des eleganten Stück Papiers ist das Logo des Betriebes in silber aufgedruckt. Insgesamt ein sehr edel wirkendes Etikett, reduziert und farblich auch sehr ansprechend. Einfach, dafür umso eleganter.

Am ebenso hohen weissen Rückenetikett steht nicht wirklich viel drauf, ausser das was unbedingt oben stehen muss. Über den Wein selbst erfährt man nichts und so bleibt einem nichts anderes übrig als selbst Recherche zu betreiben wenn man mehr über seine Herkunft, die enthaltenen Rebsorten usw. erfahren möchte. Dem Hinweis diesen Wein für 2 bis 3 Stunden vor Genuss zu dekantieren sind wir natürlich brav gefolgt und so kommt der Outis Etna Biacno nach drei Stunden in die polierten Gläser.

Weisse und gelbe Blüten

Der Wein funkelt in goldigstem Gold im Becher, sieht satt und dicht aus und zeigt eine ganz leicht trübe Note. Kristallkar sieht anders aus. Ein sehr verhalten wirkender Duft strömt aus dem Glas, sehr leise, weich und am ehesten nach Blüten duftend. Es fühlt sich sehr angenehm an in der Nase, auch wenn man diese ganz tief ins Glas stecken muss um der weissen und gelben Aromen habhaft zu werden. Man könnte diesen Duft durchaus als feminin bezeichnen, alles ist weich und mild und erst ganz am Schluss gesellt sich ein Schuss Zitrone dazu. Diese hat man nach zwei Stunden deutlicher gerochen, nach nunmehr drei in der Karaffe wirkt alles äussert zahm. So wie das duftet dürfte sich der Outis Etna auch im Mund von einer eher weichen Seite zeigen, nichts lässt auf Säure oder pulsierendes Leben schliessen, es kündigt sich ein rundes Weinerlebnis an.

Blüten, Steine und jede Menge Salz

Schon nach dem ersten Schluck ist für mich persönlich klar, das ist wieder mal ein Wein für mich. Nicht nur weil er butterweich über die Lippen fliesst und sich ebenso weich auf der Zunge niederlässt, kaum ist er drauf sticht er unbarmherzig mit einer kräftigen Salznote zu. Es ist genau dieser salzige Stich auf der Zungenspitze der so grossen Spass macht, der einem in diesem Moment, noch während man den Mund mit Wein voll hat, auf der Stelle das Wasser darin zusammenlaufen lässt. Frech, lustig, quietschvergnügt fühlt sich das an und harmoniert auf schöne Weise mit dem so weichen Körper und dem insgesamt milden Mundgefühl. Es schmeckt gelb und weiss, es schmeckt ‘duftig’, wer Früchte sucht der ist im falschen Film gelandet. Dafür gibt es jede Menge Schotter zu erforschen und die Verbindung der Blütenaromen mit steiniger Mineralität ist schon etwas ganz eigenes. Der Outis Etna macht Spass im Mund und wenn man sich erst mit dem ‘Salzstreuer’ arrangiert hat, merkt man plötzlich wie herb und trocken dieser Wein tatsächlich ist und wie würzig er daher kommt.

Völlig neue Geschmackswahrnehmungen

Was auffällt ist, dass man so gut wie keine Säure in diesem Wein spürt, wengleich man ob der extrem pikanten Würze und der omnipräsenten Salzigkeit meinen könnte es hier mit Säure zu tun zu haben. Das Gegenteil ist aber der Fall. Auf der Zunge fühlt es sich trotz allem weich und rund an, am Gaumen spürt man die ausgeprägte Mineralik, es fühlt sich herb an, teilweise wie steiniger Staub, es hat durchaus Körper und im Abgang schmeckt man den weissen und gelben Blütenaromen hinterher. Begleitet von einer pikanten Würze die sich mit dem ganzen steinigen Geröll zu einem ganz eigenen Mundgefühl entwickelt. Der Outis Etna lässt sich in keine Lade pressen, ist so eigenständig wie eigenwillig und sicher auch unverwechselbar. Wenn er seinen letzten Weg beschritten und sich letztlich verflüchtigt hat bleibt ein angenehmes, steiniges Gefühl im Mund zurück. Man schmeckt den Boden und nicht die Trauben und man merkt, dass dies auch gar nicht nötig ist. Es macht einfach Spass den Outis Etna zu spüren, denn das Fühlen steht bei diesem ungewöhnlichen Wein einduetig über dem Schmecken.

Nach vier Stunden Luft und dem zweiten Glas beginnt man sich mit diesem nicht wirklich zu fassenden Wein anzufreunden. Die Zunge hat sich auf seine Salzigkeit eingestellt, der Gaumen auf die Blumen in der Schotterhalde und man beginnt den Outis Etna richtig zu geniessen. Man hat ihn verstanden und akzeptiert, dass man so etwas hier nicht finden wird, dass es nichts gibt womit man ihn vergleichen kann und dass Fremdes und Unbekanntes umso mehr Spass macht, wenn man es einfach an sich heran lässt. Das Mundgefühl das dieser Tropfen hinterlässt ist eigenartig einerseits und begehrenswert andererseits. Es schmeckt anders, es fühlt sich anders an und es lässt sowohl Zunge wie auch Gaumen vollkommen neue Geschmackswahrnehmungen erleben. Der Outis Etna ist eindeutig in jene Liste Weine einzuordnen, die Offenheit und Vorurteilslosigkeit erfordern. Er ist nichts für Fruchtikusse, er ist nichts für den schnellen Genuss. Der Outis Etna ist ein Charakterdarsteller der einen ganz weit über die üblichen Weinwahrnehmungen hinaus trägt. 20 Euro sind für den ‘Lavawein’ zu investieren und jeder einzelne davon ist es mehr als wert.

Tipp: Unbedingt 2-3 Stunden in die Karaffe. Geniessen Sie ihn bei 12-14º zu Fischgerichten aller Art, zu Salaten und zu gut gewürzter nordafrikanischer Küche. Als Alleinunterhalter als Meditationswein vorzüglich geeignet. Für den fortgeschrittenen Weingeniesser zur ‘Entführung aus der uniformen Weinwelt’ ein perfekter Begleiter.

Wein & und Winzer-Info:

Outis Etna Bianco
Wein: Outis Etna Bianco 2009
Winzer: Vini Biondi
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: -2013+
Anbau: Biologisch
Ausbau: Edelstahltank
Besonderes: Cuvée aus autochthonen Rebsorten
Dekantieren: Ja (2-3 Stunden)

Der Wein wurde uns von der K&U Weinhalle aus Nürnberg zur Verfügung gestellt.

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Kategorie: K&U Weinhalle (D), Verkostet

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