Perrin & Fils ‘Réserve’ Côtes du Rhône Blanc 2011

| 10. Juni 2012 | 0 Kommentare Alles lesen

Der zweite Wein im grossen Perrin-Verkostungsmarathon ist ebenfalls ein Côtes du Rhône, nur diesmal einer in ‘weiss’ und aus dem Jahr 2011. Er zählt ebenfalls zu den ‘Einstiegsweinen’ in die Welt der Weine der Famille Perrin und ist eine Assemblage aus den klassischen Rebsorten Grenache Blanc, Marsanne, Clairette und Viognier. Schon anhand der Auswahl kann man ein äusserst spannendes Weinerlebnis erwarten, weil doch relativ konträre Rebsorten-Charaktere hier vereint wurden. Wenngleich auch genau diese Rebsorten zu den klassischen Veschnittsorten bei weissen südfranzösischen Weinen zählen und ganz eigenständige Weine ergeben.

Wie schon den Côtes du Rhône Rouge ziert diese Burgunderflasche das gleiche in weiss gehaltene Etikett mit gleicher schwarzer Typographie. Mit dem einzigen, aber wesentlichen Unterschied, dass anstelle von ‘Réserve’ in rot eben ‘Réserve’ in einem grünlichen gelb draufsteht. Eine perfekte Kopie die sich wie ihr ‘Zwillingsetikett’ auf das Wesentliche beschränkt und die Herkunft über alles stellt. Typisch französisch eben.

Auch auf dieser Flasche steht alles was man sonst noch wissen soll und will am Rückenetikett. Am Wichtigsten natürlich was den Inhalt dieser Flasche angeht, der wie schon erwähnt, aus Grenache Blanc, Marsanne, Clairette und Viognier besteht. Südfranzösische Klassiker in weiss, wenn man so will. Aber was ist bei Côtes du Rhônes, noch dazu aus dem Hause Perrin & Fils schon nicht geradzu klassisch?

An sich ist es nicht notwendig den Wein zu ‘belüften’, er kann ohe Umschweife eingeschenkt werden. Wir geben ihm trotzdem 15-20 Minuten zum akklimatisieren in der Karaffe. Schadet nichts und ausserdem steigt die Vorfreude auf das was kommt.

Frischer Pfirsich & kühle Mineralik

In einem hellen strohgelb mit grünlichen Reflexen steht die weisse Réserve im Glas und lässt einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Strömt nämlich eine knackig frische Duftnote aus selbigem heraus. Pfirsiche sind das Erste woran man denkt, dann merkt man wie trocken es in der Nase ist und wie aromatisch das Bukett im Glas steht. Es duftet einerseits sehr intensiv, auch nach weissen Blüten, vor allem aber richtig mineralisch. Es bleibt aber doch gezügelt und gesittet, nichts drängt sich auf, nichts spielt sich in den Vordergrund. Ein fester und doch angenehmer Duft der die Nase verwöhnt. Sommer-Bukett das kühlt und erfrischt.

Trocken wie ein Wüstenwind

Was man zuallererst im Mund bewusst wahrnimmt ist die geschmeidige Konsistenz und die Säurearmut des Viognier sowie die volle und milde Arommatik der Marsanne. Der Wein fühlt sich fast cremig auf den Lippen an und auch auf der Zunge streift er einen sanften Film ab. Erst dann taucht die fröhlichere Clairette auf und haucht dem Tropfen würziges Leben ein. Dass das Mundklima dabei fast an das Dürrestadium in der Sahelzone erinnert ist ein im Sommer durchaus erwünschter Effekt. Viel trockener geht es nicht mehr, trotz aller Fülle die die Réserve an den Tag legt. Mit etwas Luft wird sie würziger, mehr Mineralität macht sich bemerkbar und von Fruchtigkeit bleibt nicht viel übrig. Sommerwein der kühlt und erfrischt und einen nicht an saftige Früchte oder ähnliches denken lässt. Hier regiert der Boden und Früchte werden bestenfalls still und heimlich vorbeigetragen.

Trotzdem, oder gerade deswegen, fühlt es sich gut an die verhaltene Spur von Pfirsichen inmitten des mineralischen Aromenorchesters zu schmecken. Weich und äusserst mild begleiten sie die aromatische Struktur dieses ‘Wüstenwindes’.

Mild und weich und universell

Wunderbar mild ist dieser Tropfen ausgefallen und wer anfällig für Säure ist dem sei dieser Wein mit gutem Gewissen empfohlen. Viel weicher, bei trotzdem reichlich vorhandener und vor allem dominanter Mineralik geht es wohl nicht mehr. Knochentrocken zieht die Réserve über den Gaumen um sich in einem Schwall von mineralischen Noten zu verabschieden. Zurück bleibt ein Hauch von Lindenblüten, kaltem Gestein und eine Luft- pardon, Mundfeuchtigkeit, die unter 10% liegt. Ein gelungener Beweis dafür wie trocken Nasses sein kann. Was dem Wein auf jeden Fall gut tut ist ein wenig Luft. Er ist jung, keine Frage, er sollte auch nicht allzu ‘alt’ werden, das ist auch klar. Jedenfalls sollten Sie ihm doch eine 1/2 bis 3/4 Stunde in der Karaffe geben um sich ‘aufwärmen’ zu können. Er dankt es Ihnen mit schönem Charakter und einem gefährlich leichten Trinkfluss. Im Winter kann ich mir gut vorstellen, dass die Réserve ‘gelber’, noch weicher und noch fülliger wird.

Côtes du Rhône in weiss um ca. 7 Euro die Flasche ist ein Beitrag den man sich leisten können sollte, so man echtes Interesse an Terroir hat. 13% sind typisch für den ‘weissen Franzosen’ und machen ihn erträglich leicht im Trunk. Die Résereve in weiss macht alles mit wonach Ihnen gerade ist und harmoniert ebenso mit fast allem was auf dem Teller liegt. Ein unkomplizierter und süffiger Wein für jeden Tag, der einfach Spass macht und den Sommer wie von selbst um fünf Grad kühler macht.

Tipp: Kühlen Sie den Wein auf 10-12º und geben sie ihm 30-40 Minuten in der Karaffe. Danach machen Sie mit ihm ‘was sie wollen’. Er macht so ziemlich alles mit was Ihnen in den Sinn kommt. Handtuch benötigen Sie keines weil der Wein ‘selbsttrockend’ ist.

Verkostet wurde ein ‘Réserve’ Côtes du Rhône Blanc 2011 von Famille Perrin aus Orange in Frankreich. Zur Verfügung gestellt wurde uns der Wein von Veritable Vins Domaines, Deutschland.

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Kategorie: Perrin & Fils (F), Verkostet

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