Spätburgunder Auslese 2009 “Prachtstück”

| 30. Juli 2011 | 0 Kommentare Alles lesen

Ein Spätburgunder der sich “Prachtstück” nennt, hat zwei Hürden zu überwinden. Die erste ist sich von anderen Spätburgundern tatsächlich erheblich zu unterscheiden und die zweite ist diesem stolzen Namen auch wirklich gerecht zu werden. Entsprechend gross war natürlich die Erwartungshaltung und nicht kleiner die Neugier auf diesen Wein. Und so stand das Prachtstück dann auch am “Tisch der Wahrheit”.

Standesgemäss in der klassischen Burgunderflasche abgefüllt und als quasi “Vorankündigung” auf den Inhalt, prangte auf dem halb weiss, halb altrosa bedruckten Etikett der Name “Prachtstück”. Dezent wie üblich und ohne grosses optisches Aufsehen.

Im Glas zeigt sich das “Prachtstück” von seiner edlen Seite und lässt ganz tiefe Ein- und vor allem Durchblicke zu. Präsentierte sich der in der ersten Runde verkostete 2008er QbA Spätburgunder wie ein klarer Bergsee, so liess dieser hier noch tiefere Einblicke zu. Kirschrot, rubinrot, kräftig leuchtend aber transparent, lässt einen dieser Wein gegen das Fenster gehalten hindurch sehen und die Konturen des Gegenübers erkennen. “Durch den Wein sehen” könnte das Credo dieses Tropfens lauten.

Terroir á la Kaiserstuhl

Die Nase wird von dunklen Beeren umweht und reflexartig denkt man irgendwie auch an Zwetschgenkuchen. Sehr intensiver Duft der auch eine gewisse Fülle erahnen lässt. Leicht mineralisch im Finale und ein wenig würzig. Nach ein paar bereits verkosteten Weinen ist diese Eigenschaft irgendwie symptomatisch für Weine dieses Weinguts. Wobei die Löss- und Vulkanböden eindeutig das ihre dazu beitragen. Terroir á la Kaiserstuhl könnte man sagen.

Sobald der Spätburgunder den Gaumen umspült spürt man fruchtig mineralische Frische, leicht prickelnd sogar und mit sehr schön eingebundener Säure. Sie ist permanent da, tritt aber nie in den Vordergrund. Ein angenehmes Mundgefühl macht sich breit und lässt einen dreimal “nachhaken” um das Geschmackserlebnis zu verlängern. Das Prachtstück macht sich “wichtig”.

Ein wahres “Prachtstück” mit Talenten

Sehr gut strukturiert und auch mit schönem Körper ausgestattet sorgt der Spätburgunder für einen schönen Nachhall der nach mehr verlangt. Lässt einen der 2008er QbA wie erwähnt das Fruchtfeuer kurz anfassen, so geniesst es das “Prachtstück” seine ganze Palette zu offenbaren. Man weiss was man kann und ist sich seines “Talents” bewusst. Trotz seiner 14% flutscht das “Prachtstück” über den Gaumen. Universell zu Gebratenem getrunken macht dieser Spätburgunder aber auch solo genossen grossen Spass.

Um € 13,50 sicher kein Wein für alle Tage. Aber wenn Gäste kommen oder man sich selbst etwas besonderes gönnen will, dann macht man damit eine absolut gute Figur. So man den Wein mit Freunden teilt, wird er diesen in freudiger Erinnerung bleiben.

Tipp: Bei allzu sommerlichen Temperaturen tun ihm 2 – 3º C weniger als die empfohlenen im Glas ganz gut. Aber Vorsicht, die 14% sind trotzdem noch vorhanden.

Verkostet wurde ein Spätburgunder Rotwein Auslese 2008 “Prachtstück” vom Weingut Kiefer aus Eichstetten am Kaiserstuhl, Deutschland. Der Spätburgunder ist mit seinen 14% nicht gerade ein Leichtgewicht, lässt sich aber sehr leicht trinken.

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Kategorie: Verkostet, Weingut Kiefer (D)

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