Das Leben voll geschmeckt

| 29. Juli 2013 | 0 Kommentare Alles lesen

schmecke das leben Die wohl umfassendste wie auch aussergewöhnlichste Verkostungsreihe die weinquellen.at bis jetzt durchgeführt hat, ist vor ein paar Tagen zu Ende gegangen. Fünf Winzerfamilien aus der Steiermark, welche sich zur Wertegemeinschaft Schmecke das Leben zusammengetan haben stellten uns insgesamt 20 Naturweine zur Verfügung, die über die letzten zehn Monate intensivst verkostet wurden. Jeder Wein wurde über zwei Tage ‘erforscht’ um seine Entwicklung unter Zeit- und Luftzunahme zu beobachten und es wurden wirklich aussergewöhnliche Erfahrungen dabei gemacht. Es waren 20 Weinabenteuer die uns in völlig neue Dimensionen von Weingenuss entführt haben, die uns Wein von einer neuen, bisher unbekannten Seite erleben haben lassen. Wir haben Weingenuss neu erfahren, haben uns von bisherigen Konventionen, von Bekanntem und Gewohntem verabschiedet und sind zur den Anfängen des Weinanbaus zurückgekehrt. In eine Zeit als Wein grossteils noch sich selbst überlassen war, nicht erst durch moderne Kellertechnik zu dem wurde was wir heute als Wein kennen und ohne weiter darüber nachzudenken trinken. Wir haben Weine erlebt, die unsere Geschmackswahrnehmung auf eine andere Ebene gebracht haben und uns den Begriff ‘Zeit im Wein’ auf eindrucksvolle Art und Weise neu erleben haben lassen.

Für diese grossartige Möglichkeit bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Mitgliedern dieser aussergewöhnlichen Wertegemeinschaft und ziehe meinen Hut vor soviel Leidenschaft und auch Risikobereitschaft, die man mit dieser Art von Weinanbau auf sich nimmt. Weine zu ‘produzieren’, die kilometerweit von jeglichem Mainstream entfernt und absolut nicht massenkompatibel sind erfordern Mut, belohnen aber den ‘weltoffenen’ Weinfreund mit Weinerlebnissen, die wir gleich zwanzigfach erleben durften.

Nachfolgend ein Überblick über die Weine mit ein paar kurzen Anmerkungen, welchen Eindruck Sie hinterlassen haben, sowie die Links zu den einzelnen Verkostungsberichten. Alle Winzerfamilien sind im Anschluss und auch am Ende namentlich aufgeführt und mit Links zu deren Webseiten versehen.

Vorstellung der Wertegemeinschaft ‘Schmecke das Leben’:

Schmecke das Leben – Naturweine aus Österreich

Die Weine von Maria & Sepp MUSTER:

Steinig, senfig und erdbetont duftet der Sauvignon vom Opok 2008 aus dem Glas heraus. Kräutrig, salzig und erdig nimmt man ihn im Mund wahr und am Ende ist der Wein ganz einfach in sich ruhend und erhaben.

Wer Frucht im Graf Morillon 2008 sucht, der findet ‘keinen Anschluss unter dieser Nummer’. Mit frechem Säurespiel im Nussteig erfährt der ambitionierte Weinfreund die Bedeutung von ‘Zeit im Wein’. Aromatik pur und jede Menge Mineralität.

Puristisch, nackt und ungeschminkt präsentiert sich der Erde 2010. Er ist knorrig, kalkig, andersartig und nimmt einen auf eine Reise zurück zum Anfang mit. Wein der vollkommen abseits des antrainierten Geschmacksemfpindens liegt und Abenteuergeist voraussetzt.

Magisch, sündhaft, opulent und eigensinnig zeigt sich der Sgaminegg 2007 im Mund und vermittelt einem das Gefühl ‘auf den Schwingen des Adlers’ zu fliegen. Ultimatives meditatives Doping für die ganz grossen Tage im Leben jedes Weingeniessers.

Webseite: www.weingutmuster.com

Die Weine von Andreas TSCHEPPE:

In gelblichgrüner Lebendigkeit zeigt sich der Sauvignon ‘Grüne Libelle’ 2010, ist weich und mild und animierend saftig und entwickelt sich mit Zeit und Luft vom vom Kampfjet zum komfortablen Passagierflugzeug.

Gerade einmal 260 Flaschen gibt es vom Goldmuskateller 2010 den wir als Fassprobe verkosten durften. Mit knackig frischer Säure und eleganter Mineralik fängt er an und zeigt sich am zweiten Tag dann klar, brillant und über alles strahlend.

Verhalten, weich und leise strömt der Chardonnay ‘Salamander’ 2010 in die Nase und zeigt sich auch im Mund als Meister der leisen Töne. Erdverbunden wie sein Namensgeber lässt einen dieser Wein seine Herkunft eindrucksvoll erfahren.

Grün, pikant und etwas grasig in der Nase ist die Blaue Libelle 2010. Im Mund dann weich und füllig, sehr ruhig und cremig mild. Ruht in sich und definiert sich am zweiten Tag nur mehr über den Boden.

Webseite: www.at-weine.at

Die Weine der Wein & Sektmanufaktur STROHMEIER:

Mit Marillen, Muskatnuss und feinsten Bitternoten beeindruckt der Orange 1 (2008), fühlt sich an wie Wein und schmeckt dann doch wie trockener Sherry. Wein für Menschen, die Zeit noch definieren können und imstande sind, sich selbst etwas zurück zu nehmen.

Erdig-mineralisch, kraftvoll würzig & saftig-muskulös macht sich der Wein der Stille an sein Werk. Mit Saft, mit Holz, mit Nuss und Kalk und vielem mehr zieht einen dieser Tropfen immer tiefer in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los.

Der Schwarz 1 Blauer Wildbacher 2007 sorgt mit Johannisbeeren und Holz für mächtig Dampf im Kessel. Ein säurebetontes Geschmackserlebnis, das als reiner Saft im weichen Plüsch am zweiten Tag zu absoluter Höchstform aufläuft.

Rassig und furztrocken ist der Schilcher 2011, lebhaft, ungewohnt und richtig erfrischend. Mit ausgeprägtem Säurespiel pulsiert der Wein Mund und sorgt für mächtig Spass auf Zunge und am Gaumen.

Webseite: www.strohmeier.at

Die Weine vom WERLITSCHHOF:

Für ein Offroad-Abenteuer in der Nase sorgt der EX VERO I um sich in Folge kräutrig, salzig und erdig bemerkbar zu machen. Hauchdünn wie eine Nebelschwade fühlt er sich an und schwebt fast körperlos durch den Mund. Ein richtig grosses Abenteuer.

Mit feinstem Holz und eleganter Säure lässt der EX VERO II die Zunge jauchzen. Kraftvoll, saftig und dicht verwoben sorgt pure Mineralik, sowie Kalk gepaart mit feiner Nuss für ein frisches und fröhliches Mundgefühl.

Einfach überwältigend. Das ist es was einem zum EX VERO III auf die Schnelle einfällt. Man ist schlichtweg sprachlos ob der unendlichen Sinneseindrücke die einem dieser Wein beschert. Pflichtwein für jeden Naturweinliebhaber!

Richtig keck, sehr saftig und auch ananassig fühlt sich der Amphorenwein 2009 im Mund an. Man schmeckt Orangenschalen sowie dunkle Bananen und wundert sich über diese überbordende Exotik, welche man von einem Wein wie diesem nicht erwartet hätte.

Webseite: www.werlitsch.com

Die Weine vom biologisch-dymanischen Weingut TAUSS:

Verhalten, leise und geheimnisvoll fängt der Roter Traminer Hohenegg 2007 in der Nase an, um sich danach mit bittersüsser Frucht im Seidenkleid als ‘rostbraunrotoranger’ Gaumenkünstler zu entpuppen. Rückzugswein für Stunden der Besinnung.

Überraschend frisch und lebendig zeigt sich der Blaufränkisch Hohenegg 2007, spielt mit reifen Beeren, Kirschen und einem Hauch von Rauch im Mund. Zeigt sich am zweiten Tag strahlend, frisch, harmonisch und vollkommen ausgewogen.

Saftig-salzig und schaurig-schön fühlt sich der Chardonnay Hohenegg 2008 auf der Zunge an. Pure Mineralität, ein wenig Nuss und Teig harmonieren mit ausgeprägtem Säurespiel. Zeigt erst am zweiten Tag seinen wahren, weichen und warmen Charakter.

Lustig grün und richtig sauersaftig kommt der Sauvignon Blanc OPOK 2010 auf die Zunge. Dort steht er knackig, weich und sehr pikant und sorgt für grossen Spass im Mund. Nach 24 Stunden nur mehr pure Mineralik die sich rund anfühlt und weich anfühlt.

Webseite: www.weingut-tauss.at

Die FAVORITEN:

Selbstverständlich wurden auch von diesen insgesamt 20 Weinen jeweils einer von jedem Winzer ausgesucht und zum Favoriten erkoren. Auch wenn es manchmal zwei gewesen wären die ich gerne auf die selbe Stufe gestellt hätte. Hier jedenfalls sind meine absoluten Lieblinge:

Graf Morillon 2008 – Muster
Chardonnay ‘Salamander’ 2010 – Tscheppe
Schwarz 1 Blauer Wildbacher 2007 – Strohmeier
EX VERO III – Werlitsch
Roter Traminer Hohenegg 2007 – Tauss

Für die Zurverfügungstellung der Weine bedanken wir uns recht herzlich bei den Winzerfamilien Brigitte & Ewald Tscheppe vom Werlitschhof, bei Maria & Sepp Muster, bei Christine & Franz Strohmeier von der Wein & Sektmanufaktur Strohmeier, bei Alice & Roland Tauss vom Biologisch-dynamischen Weingut TAUSS und bei Andreas Tscheppe. Alle fünf gehören der Wertegemeinschaft Schmecke das Leben an.

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Kategorie: Schmecke das Leben (A), Verkostet

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